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Buntes

Rückrunde für den "Glitzernden"

"Jeder Mensch erfindet sich früher oder später eine Geschichte, die er für sein Leben hält." (Max Frisch, R-Merkur im Stier, aus: Mein Name sei Gantenbein, 1964)

Man muss gar nicht allzu abergläubisch sein, damit einem dreimal im Jahr die Rückläufigkeits-Phasen des Merkur auffallen. Denn wir sind ansonsten so daran gewöhnt, dass unser Denken, allgemein dazu auch alles, was zum "kleinen" Ausdruck (mündlich und schriftlich) gehört, und all der sonstige Kommunikations-Verkehr relativ reibungslos funktionieren. Sprich, so wie wir es kennen. Was ja nicht 'normal', aber einfach für uns üblich sein muss.

Dann erkennen wir uns und andere. Falls doch etwas anders wird, und sei es auch nur als Placebo-Effekt, sucht man Schuldige. Merkur, zum Beispiel. Ein Neutrum (= keins von beidem), aber immer quecksilbrig unterwegs in Erklärungen und Erklärungs-Nöten. Dass die Funktion in den Raum hinein = unter anderem unser Ausdruck, sowieso seine Sache ist, spürt man beim R-Merkur, der einiges auf die Substanz zurückführt (rückwärts ist im Zodiak aus Merkur-Sicht eben Richtung Stier) besonders schnell. Weil es dann immer irgendwo ruckelt, wo Luft auf Erde zurückgestutzt wird. Aus Stiers Schoß kommen, wieder in den Bereich der Waren zurückgehen (lat. merx ). Das Sein schafft eben doch Bewusstsein. Die Art des Seins. Faktenlage. Vor allem daran, dass der Denker "dreht", wie jetzt wieder, morgen gegen frühen Abend, scheiden sich aber die Geister. Es ist fast wie ein kleiner astrologischer Glaubenskrieg:

Die einen meinen, nichts ist dran am alten astrologischen Misstrauen beim scheinbaren Rückwärts-Gang des "Glitzernden" (Plato) oder des "Hühnerdiebs" (Wilhelm Knappich). Die anderen stellen immer wieder tendenziell Hürdenläufe in merkurischen Angelegenheiten fest. Beides stimmt vielleicht. Wir befinden uns schließlich im Veränderlichen. Der Glaube an ein damit verbundenes Dysfunktionieren in allen Ehren, aber. Nur, was ist, wenn wirklich immer wieder der PC spinnt? Was dem Retro-Merkur nachgesagt wird, astrologisch, passiert vermutlich tatsächlich denen, die im Radix stark auf ihn oder seine aktuelle R-Position eingestimmt sind. Aber überhaupt ist es auch so: Man hört bei diesen Rückrunden oft das Gras wachsen. Zumindest spiegelt der schnelle, bewusste, nervöse Planeten-Spiegel jetzt eine gewisse Umgebungs-Unsicherheit. Besonders, wenn es um die Themen des jeweils aktuellen Zeichens geht. Nun gerade Stier, weshalb alles Stoffliche wieder für knapp vier Wochen anfällig für Missverständnisse, Fehler, Defizite sein kann. Wie immer es zustande kommt, Placebo oder erhöhtes Bewusstsein. Astronomisch kann man da viel rückschließen:

"Der optische Effekt der Rückläufigkeit ergibt sich bei Merkur und Venus - den beiden Planeten, die sich innerhalb der Erdumlaufbahn um die Sonne bewegen und die daher auch innere Planeten genannt werden -, wenn diese sich aus der Sicht der Erde vor der Sonne befinden. (Direktläufig sind sie, wenn sie aus der Sicht der Erde hinter der Sonne laufen; siehe auch untere und obere Konjunktion)." (aus: AstroWiki)

Transponiert man diese Symbolik auf den astrologischen Merkur, wird er wesentlicher als das Wesentliche in dieser Phase, nämlich als die Sonne und zugleich merkbarer (denkbarer für den Zwillinge-Anteil und spürbarer für die Domäne Jungfrau).

Alle Handlungen, Händel und Handels-Prozesse sollten so gesehen jetzt eine Weile achtsamer angeschaut werden als sonst. Besonders in Erde, wo er rückläufig sichtbare Früchte trägt, das heißt, auch merkurische Fehler schneller materielle Folgen haben können. Insofern ist es vielleicht gar nicht so falsch, in Retro-Zeiten zu besonderer Vorsicht aufzurufen. Rückläufig spricht Merkur ja auch von mehr notwendiger, innerer Einkehr, von Achtsamkeit bei Ambivalenzen. Jetzt geht besser Hirn vor Herz, Merkur vor Sonne, Gedanke vor Standort.

Beachtet man diese mentale Distanz, ist meist alles gut. Und besser: Es wird spannend, das Sein mit anderen Augen anzuschauen als üblich. Wenn nicht, kommt es eben unter Umständen auch zu Wiederholungen der Mythen, wo ein Hermes, Herold der Götter, als Säugling dem Bruder eine Rinder-Herde stahl. Zwillinge nimmt immer vom Stier, weil Stier ja im Zodiak sein Anschub ist und die Güter zur Verfügung stellt, mit denen Merkur dann handelt. Nur dann, wenn Merkur unbeachtet in seiner Rolle für's eigene Horoskop auf seinen Schritten zurück in ein altes Thema übersehen wird, werden Gespräche auch missverstanden, eventuell falsche Abzweige genommen, schriftliche Abmachungen gehen ins Leere oder die technische Welt der Kommunikations-Mittel verschwört sich gar und fällt unvermittelt aus. Alles Symbole. Wir können daan lernen. Wir können das, was nicht schnurgerade läuft, einfach als Erinnerung nehmen, wie einen ToDo-Zettel für den Alltag, den der Merkur ja mit regelt. Seine Rück-Runde schafft meist eine wichtige Erholung vom sonst "logischen" Gang der Dinge. Vom Bestehen auf Abläufe, die maschinell wirken können. 

Diesmal wird das viel zitierte Ruckeln und Stolpern sich unter Umständen für die, die Berührung mit den R-Graden haben (in harten oder weichen Aspekten), stärker in Richtung des Denkens über Beziehungen bewegen. Stier ist ein Gemeinschafts-Zeichen und - wie man links in der Grafik sieht - sitzen für Greenwich auch vier Faktoren in der ersten Minute der Rückläufigkeit im Du-Quadranten. Merkur selbst ist stark fokussiert auf Loyalitäts-Fragen und die eigene Position in der Sippe (oder jeder anderen Herde. In 8 beschäftigt er sich mit viel verbindlichen Beziehungen und deren General-Überholungen. Aber es geht auch um Ererbtes, Konzepte und Visionen, da er in der Rückläufigkeit die Trigone zu Jupiter und Pluto erreicht. Auch Mond-Pluto Steinbock zu Beginn der Phase legt Wert auf Nachhaltigkeit im Emotionalen.

Da können Traumata angeschaut werden. Und Prozesse reifen. Sonne-Venus und Uranus dagegen sind auf etwas oberflächlicherem Eroberungs-Kurs in 7 und wollen eher Ausbrüche und spannende Begegnungen. Denn Uranus gibt für das Haus (mit Mars) den Ton an. Im Stier legt das Denken jedoch nah, sich zugunsten der Stabilität für Bewährtes zu entscheiden, weil eben auch Mars (mit Saturn im Schützen) rückläufig die Eroberungen dämpft und mehr auf Rück-Versicherungen steht. Pluto und Jupiter als Dritter und Vierter im Bunde setzen in Erde sowieso nach wie vor auf Sicherheit.

Das kann zu inneren Kämpfen und Zerrissenheiten im Gesamtklima führen. Denn eigentlich möchte Merkur mit Siebenmeilen-Stiefeln vorwärts, ist ja zunächst der mit den Flügelschuhen, der Zugang zum Namenlosen hat, das selbst keine Worte kennt. Einer, der aber auch ein Portemonnaie aus dem Balg kleiner Tiere mit sich führt. Der lange Arm von Jupiter und Neptun, der ein bisschen von deren Glamour in den Alltag holen kann. Weil er sie als anderes Achsen-Ende versteht und für "Normalzeiten" übersetzt. Damit wird er dann auch zur Kompensation des Zuviel an Schützes Weiten und Fisches Ewigkeit oder Nichtigkeiten. Der Mediator, der für uns die Wirklichkeit erfindet, auf die wir uns mit dem, was uns draußen an Stofflichem begegnet (Stier) und unserem Erleben (Krebs) einigen können. In den Konflikten um die Rückläufigkeit, die uns mit Stolpersteinen ausbremsen kann, entdecken wir auch die Zwischenreiche von Mythos und Logos, sichtbar an den Zufällen, die uns die Retro-Stellung schicken kann. Wenn man sie experimentell deutet, im eigenen Lebenskontext, findet man die Themen von Jupiter und Neptun individuell wieder. Das süße, sehnsuchtsvolle Narren-Universum. 

Der rückläufige Merkur 2016:

Viermal wird Merkur 2016 rückläufig (siehe Tabelle aus dem AstroWiki rechts) - wir befinden uns jetzt schon in der 2. Phase.

Wer unter R-Merkur ein schlechtes Gefühl beim Unterzeichnen von Verträgen oder Verpflichtungen hat (die sich nicht auf die Wiedrherstellung eines alten Zustandes beziehen, denn dabei macht sich diese Kehrtwende erfahrungsgemäß meist ziemlich gut), sollte das ruhig Ernst nehmen. Im Zweifelsfall ist es egal, ob es sich nur um einen astrologischen Aberglauben handelt, hier besser nichts unüberbsehbar Neues anzufangen. Man sollte es dann auch ohne große Sinnsuche lassen. Das kann man nämlich von den veränderlichen Herrschern lernen: Sinn macht, was man zu Sinn macht. Es ist so, dass bei der Rückläufigkeit des Denkers im Tierkreis zwar nicht Flüsse auf einmal verkehrt herum fließen, aber doch Uhren manchmal etwas anders zu gehen scheinen.

Drum wäre es gar nicht so schlecht, sich mehr auf seine fließenderen neptunischen oder entflammbaren jupiteralen Seiten zu verlassen (ohne große Logik, nur mit Emphase), während Merkur in seinen ursprünglichen Grund- und Prunk-Funktionen des Erfindens von Wirklichkeiten und Bestehens auf Fakten etwas schwächelt. Die Fügungen und Vernetzungen nämlich, die dann auf einmal wichtig werden können. Wenn man nur wagt, die Geschichte, die einem das eigene Leben in solchen Zeiten präsentiert, märchenhaft anders zu deuten. So gesehen ist Merkur rückläufig eben immer auch ein kleiner Urlaub von der allgegenwärtigen Anpasserei an die Vernunft. Menschen mit R-Merkur jedenfalls bringen oft eine ganz eigene Logistik und - wie man an untenstehender Liste sieht - auch ihre ganz speziellen Lebens-Geschichten mit.

Einen rückläufigen Stier-Merkur haben unter anderem:

  • Abdul Baha 
  • Uwe Barschel
  • Claudia Cardinale
  • Salvador Dali
  • Clint Eastwood
  • Max Frisch
  • Jean Gabin
  • Carmen Geiss
  • Thomas Gottschalk
  • William Lilly
  • Madeline McCann
  • Luise Rinser
  • Sonia Rykiel
  • Christoph Schubert-Weller
  • Gustav Stresemann
  • Uma Thurman
  • Stevie Wonder 

Auf einiges ist aber stets Verlass beim Prinzip Merkur, auch bei diesen tänzelnden, einerseits so praktischen und andererseits manchmal schwebenden, verinnerlichten Geistern: Manilius (1. Jahrhundert) entdeckte in den Zwillingen schon den Ort, an den das Messen und Rechnen gehört, wie auch die Laute (zum Beispiel der Sprache). Jungfrau aber ist für ihn erst zuständig für die Brücken des Wortes. Zum Tierkreis-Prinzip, das auch Lebenskraft mit der Umwelt aussteuert, sprich, zwischen Haus 5 und 7 den Vermittler macht, gehörte damals aber nicht nur das Schreiben, sondern auch das Studieren und das Entdecken von "Gründen und Kräften der Welt". Merkur unterstehen damit zum Beispiel auch die "geistigen Augen, die alles zu sehen vermögen, selbst, was Natur aus unerklärlichen Gründen verborgen." (Manilius, Astronomica, Buch 4). Ein deutlicher Bezug zum Geburtshelfer Merkur, der so Schütze und Fische mit ihren großzügigen Visionen und Träumen regelrecht gebiert = zur Welt bringt. Vielleicht steckt von diesem guten Geist mehr in den Positionen mit R-Merkur im jeweiligen Horoskop.

Deshalb ist es auch bei rückläufigem Merkur gar nicht so unklug, vieles noch einmal neu und sozusagen mit Kinderblick durchzuarbeiten, was an noch nicht Umgesetztem so liegengeblieben ist. Unter all dem Informationsmüll, in dem wir heute als merkurisch mit allen Wassern gewaschene Neuzeitler ersticken. Was da ansteht individuell, wie es genau gelagert sein könnte, sagen uns einerseits die Zufälle während Merkurs Umkehr, die uns begegnen. Wenn wir sie lesen wollen. Und andererseits die Häuser 12 und 9 im eigenen Horoskop. Wenn man dazu noch anschaut, durch welches Geburtshaus sich der Retro-Merkur bewegt, liegt die Thematik der "persönlichen" Rückläufigkeit meist ziemlich klar auf der Hand. Selten gibt es so gute Chancen, im Denken derart genau noch einmal Unerlöstes ganz anders anzuschauen (Head Over Heels) und aufzurollen.

Und zur Gretchenfrage noch einmal: Soll man denn nun bei R-Merkur Verträge unterschreiben? Wichtige Verbindlichkeiten eingehen? Dinge kaufen? Tja - man soll gar nichts. Und man darf alles, ohne dass der Boden einem unter den Füßen wegbricht und man in Fisches trügerische REiche gezogen word. Man kann natürlich alles tun. Aber nur: Wenn man denn möchte, dass der Vertrag, die Verbindlichkeit, die Sache, um die es geht, dann auch einen R-Merkur hat. Was bedeutet: Das Ticket, immer mal wieder optional doch die eine Runde mehr drehen zu müssen als andere. Oder auch auszufallen, wenn es um übliches Funktionieren geht. Oder manchmal dann sehr bezogen auf ein bestimmtes Detail zu sein. Alles nicht schlimm, wenn man nur neugierig, aufgeschlossen, flexibel gegenüber den Tricks des Tricksters bleibt. Auch im Alltag, wo er ja am meisten und stärksten webt und wirkt. Das darf man sich am besten vorher gründlich überlegen. 

Mehr Retro-Merkur bei Loop! ->

Bilder (bearbeitet): Henk-Jan Kooiman (Mercurius) [CC-BY-SA-2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], Conrad Gesner (National Library of Medicine) [Public domain], Johannes Hevelius (http://www.atlascoelestis.com/) [Public domain] via Wikimedia Commons

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