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Egomania: Im Land der Glücks-Befehle

  • Schüler: Kann man die Zukunft voraussagen?
  • Lehrer: Natürlich. Wenn du das Karma hast, sie zu erkennen!

Ob das so stimmt, weiß man nicht, sicher ist, es gibt im Leben wie in der Astrologie genug Dinge, nach denen man sehnsüchtig und lange sucht, die man aber trotzdem nie findet. Ein heiliger Trost aus Neptuns unlösbaren Geheimnisträger-Bereichen, wo immer etwas existiert, was größer ist als man selbst (und stärker als sämtliche Alles-ist-möglich-Toyota-Tools der Neuzeit).

Mir scheint es gelegentlich auch ganz entspannend (trotz oder wegen einer massiven Pluto-Betonung), nicht im Besitz der Weltformel zu sein. Aber Neptun steht jetzt wieder mit Südknoten, wo die Gespenster regieren, wie das letzte Mal zur Jahrtausendwende (rechts). Eine dunklere Zeit kam auf, nach all den Hoffnungen, durch die man kompensatorisch in auftauchender Schwärze ausschließlich Helligkeit suchte. Nicht falsch, wenn auch etwas extrem. Chaos muss ja gar keiner lösen. Man kann es auch aushalten.

Neptun zeigt in Konjunktionen mit anderen Faktoren oft, wo wir uns verbannt, unerlöst und verzaubert fühlen, wie im Märchen. Da zerrt jetzt etwas. Mit den Knoten bäumt sich Vergangenheit noch einmal auf, so dass man alles besser machen will. Gerade im neptunischen Bereich der "Spiritualität" und ihrer Gewohnheiten. Es geht da immer gleich um alles: Wahrheit, Lüge, Instant-Karma. Nun regnet es Früchte des Zugelassenen.

Kein Wunder, denn eine riesige populär-spirituelle Szene steckt immer noch im unbewältigten Entwicklungs-Projekt Leben fest. Heerscharen ausgespacter Esologen, die Glücks-Befehle erteilen und Sit-Ins an der Schicksals-Kreuzung abhalten. Erkenne dich endlich! Die ganze mühsame Selbst-Arbeit scheint sich um letzte Rätsel zu drehen, die man plant zu lösen. Weshalb Seminare Gottes Job übernehmen und man sich einfach selbst erleuchtet. Gnade? Nicht wirklich. Erst mal Ich & meine Eingebungen. Gerade für Astrologen ist das eine Zeit, um ihr oft etwas härter erarbeitetetes Wissen nicht plötzlich auch oberflächlich opportunistisch in alle vier Winde zu streuen. Aus unglücklichen, finanziellen Gründen oder wegen der Suche nach ebenso begeisterten Jüngern, um im "Business" konkurrenzfähig zu bleiben. Auch ich bekam jüngst einen mentalen Schlag auf den Kopf und wurde erweckt. Ich hörte nämlich, dass mehrere meiner alten Bekannten (nicht Astrologen, sondern aus anderen Berufen) New-Age-Therapeuten mit eigener Praxis wurden. Obwohl sie nicht mal erklären können, weshalb genau. Beratung. Irgendwie. Das ist modern und es kann eigentlich jeder. 

Uranus lief bei Stier-Neumond eines frühen Morgens 1942 zum bislang letzten Mal durchs stofflichste Erdzeichen Stier und änderte materielle Verhältnisse durch pure Geisteskraft (links). Damals brutal. Nun ist er wieder im letzten Zeichen vorm nächsten Stier-Ingress angekommen und beschreibt auch luftige Verdrängung dessen, was schneidende Intelligenz so anrichten kann. Vielleicht ist darum die Inflation des Wissens groß und im Infowahn völlig unklar, was noch Bedeutung hat und was nicht. Ganze virtuelle Welten haben längst Faktisches aufgehoben, während neue kleine Herrscher mit Aluhüten subjektive Fiktion als Realität behaupten. Das macht es schwierig für Astrologie und ihre zarteren Wahrheiten, die es im hermetischen Raum immer schon gab und die jetzt im rasenden Eso-Zug unterzugehen scheinen.                (Zitat: Mein Ego)

Fast jeder will sich zur Zeit "irgendwie" in der Gegenwart radikalisiert befreien, was ja auch kein Beinbruch ist. Sondern bloß Uranus im Widder, der spukt. Nur feiert sich diese neue Volks-Spiritualität dann über Ego-Design, das wieder nur um Säuberung eigener Probleme kreist. Der Esologe ist gern merkurisch (nein, nicht neptunisch!), denkt und denkt, während er glaubt, er redete von Gefühlen. Sein Menschenbild ist meist auch ein wenig kaputt, deshalb sollen wir uns dauernd reparieren und verbessern und optimieren. Manchmal lässt der Esologe sich seine Begriffe sogar mit Copyrights schützen. Apropos: Seit Pluto Ludens (im Schützen), wo der ja beim letzten Neptun-Südknoten stand, spekuliert man mit Erkenntnis (= Macht). Die wird über subjektive Befreiung angeblich ins "wahre Ich" zurückführen, wo wir dann alle gelöster sind. Wenn man mich fragt, aber nur in Form von generalüberholten Super-Egos, die statt von den Tabus der Eltern von denen der Esologien abhängig sind. Besen, Besen, sei's gewesen. Bei Neptun und Chiron in den Fischen ist nur leider nichts bloß lustig.

Egomania greift überall. Es gibt ja grob drei Lager. Normale Leute, Esologie-Freunde und die Astrologen. Weil die neuen Shows der Selbstheiligung nun aber alles durchziehen, fangen die Grenzen an, sich zu verwischen. Ich habe mich gewundert, wie schnell selbst Menschen, die bewusst ohne Aluhüte unterwegs sind, oft Slang zwischen sozial-psychiatrisch, neuesologisch und dumm daherreden. Auffällig oft im Sinn dieser sehr großen Szene - im Imperativ. Befehle. Befrei mal dies! Befreie das! Entspann den inneren Kritiker! Sieh dein inneres Kind. Aber ja. Wo sind die Schnittmengen zwischen den Gruppen? Klar, Suche, Neugier, Sehnsucht. Aber im Gegensatz zu Astrologen, die sich auch oft mal nicht so grün sind (was von Selbst-Kritik zeugt), mögen sich die neuen Esoteriker oft "total" und informieren drum ihre ständig wachsende Fanbase auch viel selbst-bewusster, wo erleuchtungsmäßig der Hammer hängt. Selbst wenn sie als Wissende zuweilen widersinnig verbittert und überanstrengt wirken. Ich finde manchmal sogar, völlig unbefreit. Entschuldigung, herzlichst! Eure Venus (Ja, ich bin schweflig, auch wenn ihr das nicht wahrhaben wollt). Gut-böse-amen.

Jedenfalls: Seit dieses andere "Bewusstsein" die Gesellschaft so plakativ durchwebt, sitzen auch wir Astrologen ja mit unseren behutsameren Traditionen (klassisch uranische Narren, vom logischeren Teil des Daseins angefeindet) in einer noch schärferen Schere zwischen Selbstbedienung beim spirituellen Trash und jupiterhafter Dogmen. Das sieht nicht gut aus. Im Sinne des "Geschäfts". Wie ich neulich einen sagen hörte.Die neuen Konkurrenten auf dem Markt der Sinnsuche entsprechen in ihrer Sprache und "Denke" aber nicht unseren Wurzeln. Sondern überraschend eher der Prüderie einer bloß scheinbar spirituellen, eher bürgerlichen "Aufklärung". Mit Drogen für die Massen, diesmal anderem "sicheren" Wissen. Plötzlich könnte man ja meinen, wir befänden uns wieder im Krieg der "richtigen" Weltanschauung (auch Jupiter!). Wo es darum zu gehen scheint, wie man am besten jede menschliche Blindheit unerbittlich zerschlägt. Wieso eigentlich? Es kursieren Hunderte von Tipps (aus schnittbefreiten Videos), wie man am bequemsten ins Sein, Bewusstsein (oder auch nur raus aus dem nächsten Saturn-Transit) kommt. Obwohl vorgeblich "Alles sein darf!" (was nicht sein darf, belegt die dann nicht mehr so positive Ausstrahlung). Eine Grundforderung lautet: "Lass los!". Oder: Ich allein kann alles ändern. Grüß Gott, Mars!

Mich wundert auch, wieso miese Erfahrungen, die wir ja alle ungern machen und die darum wohl notwendig auch beim täglichen Ackern am Selbst erscheinen (Das ganze Leben ist ja ein Quiz!) "wundervoll" sein sollen. Ein Lieblingswort. Kann es sein, dass in Esoland Chiron gar nicht Chiron bleibt und nicht so gottverdammt schmerzt? Mir riecht das allerdings nach Glasur, mit der Leben einfach dealbarer aussieht - und das (nach Training der eigenen selbstwirksamen Seminar-Wichtigkeit doppelt existente) Ego viel mächtiger. Jedenfalls unter Gleichgesinnten. Eigentlich sind auch die Verläufe, soweit ich es bislang in vielen Berichten über stattgefundene Selbst-Verbesserungen übersehe, ähnlich. Als Katharrsis weint man bei den Kursen für alles Mögliche irgendwann vor vielen fremden Leuten. Was Mut und Kraft erzeugt, auch wenn "alles kann, nichts muss". Damit hat dann die Befreiung angefangen. Und nach dem Seminar ist gleich wieder vor dem Seminar. Ich melde mich an, also bin ich. Denn bei all dem Denken meldet sich ja gegenüber der arbeitslose Neptun als Suchtfaktor.

Wir Astrologen, die wir dagegen sehr viel büffeln mussten zur Ausübung der Profession (zumindest die meisten) sind in diesem Egomania Dinosaurier. Eine bedrohte Art, sofern man die Rituale der gesprungenen Schallplatte und aufregender "neuer" Zugänge (meist nur wegen englischer Entrepreneur-Namen der vielen Selbsterfahrungs-Firmen) nicht doch schon selbst inflationär benutzt. Aus Panik unterzugehen. Ja, jedes Mega-Ego kann jetzt eigenes Fernsehen machen und wir uns als Astrologen-Selbst auch der Welt überheben. Die Scham vor Darstellung des wichtigen Ich in selbstgeschnitzten Filmchen ist vorbei. Ja, falls man sich nicht "wichtig genug nimmt", muss man u.U. sogar die Klasse wiederholen und so lange arbeiten an sich, bis man sich nicht mehr schämt für das nun stark erhöhte Hohe Selbst. Der ganze Kosmos der Fake-Weisen wie ein edler Königs-Hof. Prinzip 5 astrologisch, scheint mir recht autoritär und passt gut in die Machismo-Zeit.

Neptun schafft ja nicht nur Gedichte, sondern auch viel Müll und wenn wir wenig über ihn wissen, aber immerhin, dass er falsche Propheten auftauchen lassen kann. Anzeichen sind oft solche allgemeinen Selbst-Heiligungen und Glücks-Optimierungen, unhinterfragt wie nie. Es hatte schon kluge Gründe, wieso im Gegensatz dazu die wirklichen Geistes-Entwickler aus den sehr alten Traditionen (wie dem Buddhismus) ihr Wissen nur von Mund zu Ohr weitergaben und zur Anwendung erst danach ermächtigten. In den falschen Händen richtet immer noch jeder Zugriff auf "heilige Wahrheit" viel Unheil an.

Auch das oft genannte Ziel, endlich das Unbewusste aus der Dunkelheit zu holen, ist merkwürdig. Bei Esologen wird damit das Magische in uns auch wieder für kaputt gehalten. Darum die Zen-Frage: Wenn ein Unbewusstes nicht unbewusst ist, wer klatscht dann? Ist es ab da ein Voll-Bewusstes? Oder ganz tot und fertig mit der Welt? Und weshalb war es eigentlich nötig, wenn es aufgebrochen und besiegt werden muss? Irrtum der Natur?

Fragen über Fragen. Mir scheint, dass die neue Esologie mit solchen Attacken den unkontrollierbaren Neptun entmachtet. Leute, dann lasst uns lieber gleich alle die weißen Turbane aufsetzen und die Nacht (samt Pluto, der Acht), auch noch aus der Welt schaffen.

Dann geben die vielen Baumarkt-Esoteriker vielleicht Ruh. Wieso sollen wir denn ununterbrochen unser Leben flicken? Haben wir es nicht selbst mit viel Tamtam kaputt gemacht? (PS: Deine Eltern waren es nicht, denn du bist jetzt selber groß, schönen Gruß, dein Saturn). Vielleicht bin ich zu alt inzwischen für Helligkeits-Trusts an allen Ecken. Aber die Frustration beunruhigt mich, die im ständigen Herumpolieren der jungen und alten Bewusstseins-Beamten an ihrem Leben steckt. Wie sie ausschwärmen, unter Aussonderungs-"Sprech" des Negativen. Wenn das ein Zeichen für den Erfolg des esologischen Zugangs ist, macht Neptun einem wenig Hoffnung auf innewohnende Transzendenz (Durchblick!). Oder Akzeptanz des großen Ganzen, die allen nützen könnte. Diese Form des Esoterischen scheint mir kein halb-göttlich erfahrener Weg ins Gute zu sein. Sondern extreme Spielart menschlicher Verwirrtheit. Aber ich stelle anheim, dass es mein Fehler ist. Da ich gar nicht so viel X-Buttons habe, um alles abzuschalten, was mich da im Internet beeinflusst, sobald ich morgens die Zeitung lesen will. 

Was natürlich wiederum, im Sinne von Eli Parisers "Filter Bubble"  in unseren Netzwerken die Macht des Eigenen algorithmisch verstärkt, da alles andere automatisch weggehalten wird. Wie gesagt, Pluto ludens im Schützen, dessen Früchte Saturn gerade festnagelt und überprüft. Als beobachtbarer Zoo des Widder-Uranus völlig legitim. Der als Mars-Verstärker die subjektive Durchsetzung eskaliert. Durch die oft talentfreien Clips im YouTube-Universum, wo über innere Stille laut lamentiert wird oder Befreiung und Liebe dogmatisch verordnet werden. Diese Einsichten sind überall. Wie die Invasion von der Vega, Quantendings, lass fließen und Bla. Viel Geld wird umgesetzt auf der Selbsterfahrungs-Schiene. Für Antworten auf die unerträgliche Neptun-Leere dieser instabilen Zeit. Noch reist und reitet auch noch Jupiter als alter Fische-Herr um und auf dem quasi-religiösen Sinn des frei Erdachten herum. Weil er gern ausläuft mit seinen Missionen, wenn es irgendwo zu still wird.

Leute werden schnell süchtig nach Trash, dem Vorgang, Weisheit so injiziert zu bekommen, modern, im 1001. Heilkreis, wo es bei genauem Hinsehen oft so inhaltslos  zugeht, dass es an Dummheit grenzt. Opium für's Volk, damit hatte ich ehrlicherweise so nicht gerechnet, als Neptun in die Fische ging. Mit dem massiven Ausverkauf des Unnennbaren, das zerredet wird.  Was sich als Unterlage für die Astrologie als schwierig erweist, die einen anderen Anspruch hat, was das neue Publikum immer weniger versteht.             (Zitat: Mein Ego)

 

Zwischen Ego 3.0 Benutzer-Oberflächen verändert sich natürlich auch Astrologie mit ihren Märkten. Denn das Überangebot von Utopisten prägt in konzentrischen Kreisen die Nachfrage von Klienten. Sie erwarten auch von uns oft mehr Bewegung, Neuigkeitswerte, Erfindungen. Ein anderer Wirklichkeits-Schock: Kurz vor Trump sah ich bei Venus am GZ ein paar dieser stressigen Erleuchte-dich-selbst-Videos, weil ich wissen wollte, was Leute eigentlich suchen an mentaler Arbeit. Da plauderten zwei ganz normale Jung-Gurus über ein Phänomen namens "Arsch-Engel". Offenbar ein anderes Wort für das 7. Prinzip. Delegation. Arsch-Engel ist, wenn du mich ärgerst, und ich reframe, dass du ein von der Höheren Macht gesandter Engel zur Vervollständigung meiner Entwicklung bist. Zum Erwerb von Saturn- oder auch Venus-Qualitäten, Geduld und Liebe. Was ja sein kann. Aber lieber ohne Gouvernanten-Style. Hör auf die Arsch-Engel. Das innere Kind. Sei nicht unbewusst. Ja, wieso eigentlich nicht?  

Erleuchtung, soweit mein Gefühl, ist anderswo als in all diesen modernen, lauten westlichen Satsangs und anderen Einsichtshochburgen. Wenn man sie denn überhaupt braucht, braucht man vielleicht doch auch das Wissen, dass etwas Wichtigeres existiert als man selbst. Und sowieso ist ja Erleuchtung vermutlich nicht wie die Masern, die man unbedingt schnell hinter sich bringen muss. Manchmal brauchen andere stattdessen erst mal etwas, nämlich mehr Mitgefühl.

Noch mal, ich weiß darüber zu wenig, als Mensch, der "Arsch-Engel" in seinem Leben immer noch genauso problematisch findet, wie ihre dumme Bezeichnung. Aber ich bin ja auch nicht mal Mitglied der beliebten "Schule des Lebens". Schule hasste ich (mit Sonnen Angriff auf Jupiter und umgekehrt) in der richtigen Schule schon. Weshalb ich auch die Wirksamkeit all dieser fremden Lehrer des Alltags für die Wut- und Ärger-Klasse, die angeblich wir alle besuchen, gern überprüfe. Wie einst bereits der Buddha empfahl. Was mir mehr Zutrauen einflößt. Vielleicht wirken andererseits die Arsch-Engel ja auch nur in ihren Kreisen so magisch. Heisenberg. Unschärferelation. Beobachter. Einfluss. Und so weiter. Man weiß es nie. Ich möchte da mehr Offenheit entwickeln. Au, reicht mir meine Tränenvase, sie haben mich!

Dann wären da die ersten astrologischen Kollegen, die beginnen, durch seltsame Aktionen auf den fahrenden Eso-Zug aufzuspringen. Indem sie selbst auch komplizierte Coaching-Begriffe erfinden oder plötzlich mit Engeln reden, möglichst neue Protuberanzen in die Deutung einführen, Traumata blitzschnell per Asteroiden-Beteiligung erkennen und auflösen wollen. Oder sich irgendwie anders bemühen, wettbewerbsfähig zu bleiben. Was es nicht alles gibt. Das finde ich manchmal schon schwierig.

Aber Hautpsache, die Astrologie behält ihre Substanz. Sie etwa wieder mehr zu vereinfachen oder showartig zu tunen, um mitzuhalten zu können, kann natürlich Effekte zeigen, in der Kasse. Aber der Sache dienen nur, wenn es nicht taktisch ist. Ich habe absolut nichts gegen astrologische Überzeugungstäter, die genau das im Rahmen ihres Ahnens, Wissens und Forschens anwenden. Neue Wege gehen. Nur halte ich absolut genauso wenig davon, sein Niveau nur zu verflachen, weil es um "Kunden" geht, wie unsere Zunft die Klienten wieder häufiger nennt, die mehr Kicks brauchen. 

Ich bin gegen Verkürzungen, zu ausdauerndes Eso-Geschwafel (ein bisschen ist lustig), Mitschwimmen im Pool der Hypes. Als Astrologen befinden wir uns sowieso immer an der Grenze, uns selbst und unserer mächtigen Sicht auf den Leim zu gehen. Spiritualität, das ist auch Ehrlichkeit. Und die wird jetzt in allen spirituellen Grenzbereichen umso wichtiger. Esoterik ist nicht mehr wie früher die stille, faszinierende und oft geheime Arbeit mit der Alchemie der Innenräume, die nun geöffnet und überbevölkert wurden. Ein Ausverkauf der magischen Weltbilder schafft auch astrologisch den Zug zu dem, was sich verkauft, Methoden, die leicht einsetzbar und schwer beweisbar, weil völlig subjektiv sind.

Seit Saturn nicht mehr der letzte Mohikaner vorm dunklen Loch im All ist, hat sich viel am astrologischem Selbstverständnis verändert. Das ist auch gut und kreativ und passend so, denn eine komplexere Zeit braucht ihre komplexere Astrologie, die sie abbilden kann in ihren Mustern. Ich habe aber doch gestaunt, als mir neulich auffiel, dass inzwischen in all dem Chaos manche Astrologen schon argumentieren wie ehemalige Astrologie-Gegner. Wo man sich dann sogar gegen ursprünglich wichtige astrologische Herangehensweisen ausspricht. Zum Beispiel, in dem man auf einmal die Begleitung und Analyse auch von tragischen Ereignissen als "Leichenfledderei" bezeichnet. Das ist der allgemeinen Nicht-Differenzierung geschuldet, die analog zum simplen Weltbild der umliegenden Wissen- und Weisheits-Shows Ethik zur Unmoral erklärt und damit auch Methodik mit Moral verquirlt.

Dahinter steckt aber oft auch eine immer größere Unsicherheit über das, was "wir" sind und wer, mit schwindendem, früher gesunden, aber nicht übertriebenen Seblstbewusstsein. Und darüber, was überhaupt noch gilt. Sicher, man kann auch mit einer entsprechend bequemen Konzentration auf ein Radix in dieser Ego-Welt (deren Teil wir ja als Astrologen sind) prima zurechtkommen und natürlich "darf" man alles, auch rein "psychologisch" deuten. Selbst wenn man gar kein Psychologe, sondern Astrologe ist, mit gutem Grund. 

Aber mir fehlt ganz das Verständnis angesichts der wenigen, aber praktizierenden Kollegen, in deren Alltag die eigenen Transite fast wie exotische Fische behandelt werden. Es gibt sie zwar, aber man nimmt sie kaum mehr wahr oder ernst. Wieder andere wollen neuerdings "keine Opfer" selbsterfüllender Prophezeiungen werden. Oder arbeiten gar nicht erst mit "billigen" Gegenwarts-Ereignissen. Logisch, denn wo Prognose angeblich nicht möglich ist, muss man auch nicht über Metagnosen forschen. Solche Theorien bleiben geschlossen wie die Welten der Esologen. Deshalb sitzen wir zusammen auch so fest im subjektiven Sumpf, alles nur noch Sache von Meinung. Wie übrigens auch dieser Text.

Ich behaupte mal: Wenn ich wissen will, ob Prognose funktionieren kann, MUSS ich viele, viele Jahre am besten täglich mit der Stundenuhr in meinem Leben, meinem Radix, das ich am besten kenne, und an Mundan-Ereignissen arbeiten. Aber Schulmeinungen, die das fordern, dünnen auch aus. Während Begründungen für Fehler sich wie der Esologie entsprungen anhören können. Das macht mir Sorge, denn damit schließt sich der Kreis. Dann hat der Astrologe weiter die Deutungsmacht und der Klient hat eben seine Aufgabe noch nicht gefunden. Oder verdrängt, was für ihn wirklich wichtig ist. Oder ist einer, der sein Eigenbild schützt. Oder steckt in den Fängen der Projektion. Wir übernehmen da leider unbewusst so viel von den Hyper-Egos der Pop-Esoteriker. Aber auch hier gilt: Es projiziert oft eher der, der Projektion am anderen feststellt. Auch ich. Was die Sache nicht einfacher macht. Hier ein kleiner roter Faden:  

Wenn das Leben nicht zur Meinung des Astrologen passt,

braucht der Astrologe eine Korrektur, nicht das Leben. 

Egomania ist aber so narzisstisch, weil alles Subjektive zur Weisheit aufgepumpt werden kann, seit Neptun im Steinbock die Gütesiegel vorübergehend ausknockte. Modische Infektionen des Spirituellen macht er unabwendbar. Ich muss das nicht verhindern. Aber ich muss auch meine Klienten nicht überzeugen, was sie nicht alles noch zu "heben", erlösen, umzudrehen, wandeln, erleuchten haben. Damit es bald gar kein Problem mehr gibt, das nicht durch meine vollumfängliche Weisheit und ihre folgenden "Switchs" aus der Welt geschaffen werden kann. Frag den Lkw, ob das stimmt, der um die Ecke kommt. Kann sein. Vielleicht erlebst du aber auch eine eher schmerzhafte Überraschung. Je nachdem, wo gerade Mars oder Chiron über deinen Geburts-Planeten stehen. Das will ich damit sagen: In der Astrologie haben wir ein fabelhaftes Korsett (als Stütze, nicht Zwang), um unsere Eindrücke an einem System entlang zu testen. Zwischen Nihilismus und Gigantismus geraten gute Unterlagen in Gefahr, unterspült zu werden. Astrologen haben Tausende von Horoskopen angesehen und an ihnen (und Menschen dahinter) gelernt, während Verbreiter des Prinzips Arsch-Engel manchmal von Jetzt auf Gleich zum Lehrer werden.

Mich ärgert das, denn ich bin jemand mit starkem Jupiter, der auch ganz gern sicheres Wissen von anderen nimmt. Bloß fehlen mir inzwischen auch Maßstäbe, wer Waisenkind und wer Weise ist. Natürlich könnte ich das astrologisch nachschauen, welcher der vielen Wissenden denn wohl Substanz besitzt. Aber letztlich ist es wichtiger dafür zu sorgen, dass meine Substanz stimmt und ich nicht auch nur noch im Glashaus sitze und auf die Esologen Steine werfe, die aus der Mördergrube meines Herzens stammen. Immer eine Gefahr, wenn Neptun im Radix und aktuellen Zeitfenster stark steht. Esologen müssen bleiben, da sie einen Teil eines Phänomens sind, das irgendetwas anderes kompensiert, und dem Populismus mit ihren Trump-Königen ähnelt. Ich weiß zwar noch nicht was.

Aber ich wünsche mir mehr Daseinsberechtigung für Leute wie mich, die noch "zu negativ sind", um den Nutzen in den ganzen spirituellen Reparaturen zu finden. Mit all unseren Egos, denn die haben wir Schwarzseher natürlich auch! Und wie. Möge also die radikale Freiheit selbst mit uns fantasievollen, unverbesserlichen Melancholikern und Pessimisten sein, die nicht an das Höchste Selbst als Erleuchtungs-Tool glauben. Unser Unglück ist doch bloß eine Frucht unseres überaus gut ausgestatteten, rechten Kreativ-Gehirns, das von Schwierigkeiten stärker ausgeprägt wurde als der Positivismus im linken Lappen. Weil wir so stark Negatives empfinden, kämpfen wir für Veränderung. Wir sind und waren sinnvoll, evolutionär. Schicksalsknechte. Darum brauche ich auch meine schwierigen Kisten voller unerlöster Prinzen. Nicht das Voll-befreit- und Schöner-Leben-Ding. Ich bin und bleibe unendlich dankbar, dass ich für alles andere die Astrologie gefunden habe. Verstehen des Unverstehbaren, System ohne systematische Zwänge. Zauber ohne Bann, immer im Kreis, spiralig. Astrologie IST Leben. Muss man das den von der Esologie verwöhnten Leuten beibringen? Nein. Wenn die Zeit der Anerkennung von Astrologie immer noch nicht gekommen ist, bleiben wir weiter Hermetiker. Narren, die sich in den Nischen geheimen Wissens nie anbiedern wollten. Weil sich ja vieles nur ahnen, nicht lösen lässt. Weil nicht mein Astrologen-Ego größer ist als das Gottes (wie ich ihn verstehe), dessen schwarzen Vorhang ich wegreißen sollte. Er wird schon fallen, wenn es nötig ist, meine lieben Arsch-Engel!           

Schönen Gruß, mein Ego (nach Diktat verreist)

Bild (bearbeitet): Pixabay

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