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Die Ciceros: Geborgenheit im Licht

"Das ist der Krebs, der Krebs ist ein Patriarch. Der will seine Welt. Krebsmaler malen immer höhlenartig. Lichtschein und drumherum ist es dunkel. Geborgenheit im Licht." (Wolfgang Döbereiner)

Und so funkelten sie, immer wieder, bevor sie Ruhe des Dunkels suchten, jeder auf seine Art: Die beiden Ciceros, Vater und Sohn, waren ja in vielem astrologisch wie aus einem Guss. Mit ihren weichen, manchmal fast durchsichtigen Wasser-Sonnen wie auch dem treibenden Mars im Krebs, im Fall besonders reagibel, ungeduldig, manchmal dramatisch, Künstler, mit weiblichem Anteil.

Zwei unbewusste Empathen, lebendige Fühler, schwankend im Antrieb, auf hoher See der Emotion, was dann durch Alleinsein abgepuffert sein will. Vielleicht wirkten sie darum auch manchmal unterkühlter nach draußen, als sie drinnen waren, technisch brilliant, aber gefühlsmäßig zurückgezogen, eigener, privater, wie Krebs eben sein muss. Roger Ciceros Geschichte ist jedenfalls kaum ohne die seines Vaters zu haben, eines Priester-Sohns aus Rumänien, der einst in die Fremde zog - den Tönen hinterher, als empfindlicher Wasser-Mensch die westliche Jazz-Welt mit ihren vielen, abstrakten, schrägen Luft-Sonnen und klirrenden Konstrukten erobern. Was ihm gelang, so gut, dass es der ähnlich begabte Sohn später eine Weile schwer mit dem Gleichziehen hatte, weil er - ebenfalls wie Krebs so oft - nicht konkurrent sein wollte.

Wer das 4. Zeichen oder Haus betont hat, wächst langsam, geht sowieso vor und zurück, entwickelt das Selbst spät, ist lang erwachsenes Kind - im Herzen, wo der Zwilling davor noch den ewigen Knaben nur mental gibt. So fliegt es sich oft am besten unter großen Fittichen und etwas im Krebsigen sucht intuitiv ständig Schoß, Schutz, Wärme, Zuflucht. Wo das Familiäre auch fern noch so nah ist, gewollt oder nicht, braucht es jedoch umso mehr das Eigene, um von anderem Schicksal nicht doch noch gefressen zu werden. Einfach, weil sich Nahes einem so dicht überhebt. Eugen Cicero (rechts), der Vater, dem Roger, der Sohn, sich zweifellos sehr, sehr verbunden fühlte, galt ja als Ausnahme, ein Wunderkind und Priestersohn, dem die Trennung zum Selbst hin gelang.

Schon da, als er aus dem Stand als Vierjähriger begann, Klavier zu spielen, war klar, dass mögliche Söhne oder Töchter einen Höchstmaßstab zu knacken haben würden. Auch Roger machte sehr, sehr früh Musik, aber eben nicht früher. Es ist bei gleichen astrologischen Anlagen nicht ganz leicht, dann die Abgrenzung heil und ganz zu finden. Erst 2006, als Mars über seine Krebs-Planeten läuft und bestimmte Teile der Bande zerschneidet, während Skorpion-Jupiter ein Trigon dazu wirft, endet die Suche nach einer eigenen Stimme. Roger Cicero steigt schnell, heftig, leuchtend wie es sein Mars will, auch sichtbar für die Öffentlichkeit in die Öffentlichkeit auf. Dass er 10 Jahre später nicht nur im Leben dem Vater folgen wird, sondern unendlich tragisch auch im überraschenden Tod durch Hirnschlag, mag Zufall sein. Oder auch Teil der astrologischen Ähnlichkeiten, die noch stärker gewesen sein mögen, als man es auch ohne gesicherte Geburtszeiten bereits erkennt. Krebs-Wesen sind länger als andere Menschen Kinder ihrer Eltern und Eltern ihrer Kinder, besonders stark belagert von der Identität, der Herkunft. Wo sie sind, zeigt häufig auch, wer sie sind. Ciceros waren überall und nirgends und lebten im Empfinden der Welt, subjektiv.

Sie konnten offenbar beide den Ruf des Seelischen stark hören. Und klar genug umwandeln, bis im Ausdruck, im Klang daraus wieder Weltbilder wurden, die nicht flach wirken wie andere, wenn sie Effekte schleudern. Wie Löwe-Teile im Chart das oft tun - die Vater und Sohn hatten. Eugen ist einer, der Freunden auch sein letztes Hemd gegeben haben soll (auch Sonne-Venus), ein Wanderer, was, wie der ungewöhnliche musikalische Zugang - eine ungesicherte Dominanz von Uranus auf Achsen oder im Feld nahelegt. Er verlässt die Heimat, den Osten, in den Zwanzigern, weshalb das Zuhause vielleicht für seinen Sohn anders wichtig wird - Heimat ist nicht unbedingt der Ort, sondern das Gefühl. Das 4. Prinzip erkennt sich im anderen, hier Vater im Sohn und umgekehrt. Auch diese Verbindung kann die höchsten Wogen schlagen in seelischer Tiefe - und dann wieder völlig verstummen im Wellental. Da, wo Krebs an Steinbocks wirklichen, überaus harten Felsen strandet, einer Schwere und Mühe, der man mit dieser Betonung draußen, gegenüber, überall leicht begegnet. 

Die Zerrissenheit beider Ciceros (links innen Roger, außen Eugen) aus der gleichen Mars-Stellung in Monds Zeichen (Fall) hat ja damit zu tun, dass hier das funkelnde Initiations-Prinzip in einem Menschen jedes Empfinden angreift, aber auch gleichzeitig völlig von Emotion absorbiert ist. Familie, Geschichte werden so bedeutsam. Die bei beiden vermuteten, instant zündenden Feuermonde (Widder-Löwe, beide auch mit Lilith), taten ein Übriges - sie trieben Vater und Sohn möglicherweise in ähnliche Rhythmen. Roger vagabundiert mit Blick auf seine Ziele, bis er aus den Zwanzigern heraus ist, Eugen real. Wobei der stärker Konzept verhafteter war als der Sohn, wenn man so will auch zwingender. Als anerkannter, magnetischer Musiker mit Merkur-Pluto Löwe am Krebs-Mars ging an ihm letztlich niemand vorbei.

Eine Frage der Zeit

Roger musste dafür noch einmal anders arbeiten, für sich, gegen die Heimat im Elterlichen (auch die Mutter war Tänzerin, sie ließen sich scheiden, als er mit 7 Jahren Chiron auf Sonne hatte, was das schmerzliche Radix-Quadrat erfüllt). Was sich als Gesamt-System seinem imprägnierbaren Krebs-Merkur wahrscheinlich als Fluch und Segen zeigte. Er hoch begabt, der Vater so etwas wie begnadet, in den Kreisen der Jazz-Kollegen wiederum noch einmal speziell. Er arbeitete mit musikalischen Zitaten wie andere sie schreiben. Weshalb im übertragenen Sinne für Roger selbst das Zitieren als neuer Ansatz besetzt war, ein Sohn, der dem Vater nicht folgen konnte, ohne als "Sohn von" diskreditiert zu sein. Irgendwann dann, als auch der Junge sich findet, macht er darum wohl eher Swing, in dem sich Unterhaltung und Ernsthaftigkeiten verbrüdern. Mit deutschen Texten, die man dann "pfiffig" nannte, was auch eine Beleidigung hätte sein können. Ein Mediator zwischen Hü und Hott, Ernst und Freude, Schrillendem und Verfließen. Populär, als die Zeit dafür ist, bei den verschwimmenden Grenzen und Neuigkeits-Hunger der Uranus-Neptun Rezeption.

Dennoch: Das Drama jedes Sohnes, der Vergleich, ist bei den Kardinal-Zeichen vielfach eben doch dominanter. Die Schwierigkeit des Krebs' bleibt daher auch Saturn. Die Welt des Vergangenen, der Ahnen. Die Fragen der Zeit: Wo komme ich her und wo gehe ich hin. Immer gibt es dann, in der Ahnenreihe, jemanden, der größer, scheinbar wichtiger, bestimmender ist als man selbst (Saturn = Hierarchie). Deshalb tut es gut, wenn man irgendwann keinen Pfifferling mehr darum gibt. Roger Cicero tut sein Bestes und bewundert doch den Vater. Kein Wunder, bei den Konstellationen, Parallelen. Er trägt den Stab anders weiter.

Als er sich nach vielen Jahren zu seinen so anderen Klangteppichen bekannte, die weder Pop, noch reiner Swing oder Jazz waren, kam er nach vorn, wurde nun auch nach Noten erwachsen. Der Applaus, das Gefällige, gefiel Löwe-Mond-Venus wohl ganz gut. Cicero, der Mann mit Hut (unter Krebs' Schutz!), boomte schon, als Pluto vom Galaktischen Zentrum in den Steinbock ging. Gefragt wie nie, die einen mögen ihn, andere nicht, aber man behält ihn immer in Erinnerung. Auch eine Eigenheit der Krebse. Da ist Eugen, der Vater, allerdings schon seit 9 Jahren tot, erlebt den Erfolg des Sohnes nicht mehr. "Ich hättso gern noch Tschüss gesagt" heißt dann eins der Lieder im Jahr nach dem ersten wirklichen Beifall, 2007. Es gilt seinem Vater, der Zerbrechlichkeit des Seins. Und niemand weiß, dass beide letztlich bei einer Zeit-Combin-Opposition von Sonne-Pluto sterben werden. An Mars-Dingen im Krebs - einer Membran, die reißt, einem Selbst-Angriff des Körpers. Roger sogar mit erst 45 Jahren. Für alle ist das ein Schock, darin so auffällig etwas wie ein tragödisches Schicksal, numinos, spröde, untröstlich genau, vermutlich aber nicht vermeidbar.

Uranus und Pluto näherten sich nämlich zwingend zur Wandlung Rogers Sonne, seit ihrem Einlauf in Steinbocks Realitäten. Als eigentlich alles glatt lief für ihn, als die Zukunft ihn einholte und wärmte. Endlich. Aber die Überläufe werfen eben auch vieles um, was sie gerade geschaffen haben: Er bekommt erst einen Sohn, der wieder, als 3. Generation, den späten, intensiven Krebs-Mars hat, wie er und sein Vater (aber sonst andere Anlagen). Die Mutter des Kindes und Roger trennen sich wieder, sein Traum von Familie verschwindet, den Menschen mit seiner Lagerung immer selbst negieren können (Mars), weil er so verletzbar macht. Und: Roger Cicero wird müde, zeigt sich langsam ausgesaugt von den großen Transiten, die auch große Mutationen fordern und hart befördern, wenn man nicht mitgeht. Vielleicht ist das auch mehr, als er noch leisten kann, so kurz nach seinem Aufstieg, nach so viel Persönlichkeitsarbeit.

Cicero erleidet bei Pluto über Sonne eng schließlich bereits im November 2015 einen schweren Zusammenbruch aus Erschöpfung. Schwäche lässt stets auch an Neptun-Verbindungen über ein optional fallendes Achsen-Kreuz denken (was auch die starken Jazz-Bezüge erklären könnte), neben dem prominent laufenden Pluto. Er zieht sich - typisch Krebs - 5 Wochen mit einem für ihn bedrohlichen "Kontrollverlust" (sein Zitat, das astrologisch Pluto meint) zurück in ein Hotelzimmer, weil er nicht ins Krankenhaus will. Was war geschehen? Vielleicht nichts Wichtiges, vielleicht wieder nur Koinzidenzen.

Vorher hat er, noch am 2. Oktober 2015, ein ambitioniertes Album veröffentlicht. Zulaufender Uranus im Quadrat zu seinem Mars und Mars auf Südknoten, der auch Bezüge zur Herkunft hat, wollen eigentlich eine weitere Abgrenzung von männlichen Vorfahren und den Dogmen der Linie. Radikalität. Und doch - Roger Cicero ist vielleicht auch gerade darum näher am Vater als je zuvor. Titel des Werks: The Roger Cicero Jazz Experience. Eine Hommage an die, die er musikalisch (und auch sonst) liebt. Danach der Bruch und dann sollte alles wieder gut sein, er wiederhergestellt, aber es sah nun mal so aus, als würde Pluto noch mal über seine Sonne gehen. Ganz zu schweigen von Uranus-Mars, der gerade erst ganz gemächlich Power gewann. Es wäre eine schnelle Zeit geworden, eine problematische vielleicht. Roger Cicero freute sich aber sehr auf seine Tournee. 

Sterben kommt dennoch immer unerwartet und immer zu früh. Hier wirkt all das, wegen des Gleichklangs, besonders weh. Roger Cicero geht letztlich ganz plötzlich, aus dem Erfolg, neuen Projekten, dem Beifall, der Welt, seiner Pause, als sich der dirigierte Neptun der Opposition zu seiner Sonne nähert. Betrauert von vielen, die sich wiederum mit ihm identifizierten, unprätentiös, wie er war. Vater Eugen ist bei Mars-Venus-Neptun Stellium in Opposition zum Mars gestorben. Vielleicht hat sich ja bei beiden trotz allen Leids, das die Tode den Familien bringen, etwas Gemeinsames, Weiches, Verzaubertes, auf andere Art erlöst.  

Bilder (bearbeitet): © Jörgens.mi / CC-BY-SA-3.0  via Wikipedia + Koch, Eric / Anefo [CC BY-SA 3.0 nl (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/nl/deed.en)], via Wikimedia Commons

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