Rückläufigkeit: Achtung Geisterfahrer!

Jetzt werden also wieder Toaster explodieren, PCs reihenweise abstürzen, einfachste Koordinationen zwischen Kopf, Füßen und Händen aus dem Ruder laufen. Denn Merkur ist seit heute rückläufig, gegen 12:28 h hat er alle physikalischen Gesetzmäßigkeiten außer Kraft gesetzt und bewegt sich seitdem rückwärts durch den Tierkreis. Jedenfalls aus der Sicht von uns Erdlingen. Vor ein paar tausend Jahren muss das nächtlichen Beobachtern wie ein Wunder erschienen sein, ein Fingerzeig Gottes, dass etwas nicht in Ordnung ist, sein Plan gestört wird, im Zweifelsfall von bösen Mächten.

Heute wissen wir, das alles in Ordnung ist, weder Merkur noch die anderen Planeten drehen irgendwann auf dem Absatz um und werden zu kosmischen Geisterfahrern. Alles nur eine Erscheinung, eine Illusion, die aus einer bestimmten Perspektive entsteht. Bedeutet das also, dass die diesbezüglichen, astrologischen Zuordnungen allesamt auch nur Trugschlüsse sind?

Jein, wäre die eindeutige Antwort. Denn ja, das Sonnensystem funktioniert nach wie vor einwandfrei, weder ist Merkur schneller oder langsamer als sonst, dreht also weiterhin seine rasanten Bahnen um die Sonne. Aber als Astrologe arbeitet man ja immer mehr mit dem Schein als mit dem Sein, alleine der geozentrische Standpunkt bringt dies zum Ausdruck. In einer Wirklichkeit, die vorwiegend durch unsere Wahrnehmung geprägt wird, ist es also durchaus legitim, auch etwas zu gewichten, von dem man weiß, dass es nur als Anschein existiert.

Was uns wieder zu den explodierenden Toastern bringt. Für die gelten nach wie vor die bisherigen Naturgesetze, es sei denn man möchte jetzt über die Wahrnehmung von Toastern, Computern oder Einspritzpumpen philosophieren. Ansonsten bleibt es dabei, sollte etwas während der Rückläufigkeit von Merkur kaputt gehen, dann hat das in aller Regel mehr mit dem Prinzip der Vergänglichkeit zu tun. 

Was man aber durchaus annehmen kann – da die Benutzer und Besitzer der Toaster dem rückläufigen Anschein unterworfen sind, mögen sich jetzt rein menschliche Bedienungsfehler etc. häufen. Denn Merkur als Trägerenergie aller Informationen wird vor allem am Anfang und Ende jeder Rückläufigkeit extrem langsam, bis hin zu einem Punkt, an dem er quasi aus der Zeit zu fallen scheint, dann wenn sich seine Bewegungsenergie dem absoluten Nullpunkt nähert.

Und Geschwindigkeit ist nun mal ein spezifisches Kennzeichen der einzelnen Planeten. Die einfache Formel lautet – je weiter ein Himmelskörper von der Sonne entfernt ist, desto länger braucht er für einen kompletten Umlauf um unser Zentralgestirn. Das mag dann auch einer der Gründe sein, warum Transite von Langsamläufern wie Saturn, Uranus, Neptun und Pluto so extrem anstrengend werden können. Nicht nur, weil ihre spezifische Energie so fordernd ist, sondern vor allem, weil alle damit verbundenen Erfahrungen sich über Wochen, Monate und manchmal Jahre hinziehen können.

Während Mond – Auslösungen und in gewisser Weise auch Merkur- und Venus-Transformationen eher leichtfüßig und schnell durch unser Leben ziehen. Es sei denn, sie werden langsamer und langsamer und langsamer, bis sie schließlich fast still stehen. So wie jetzt Merkur, der seit heute Morgen selbst Pluto und Neptun in dieser Hierarchie abgelöst hat. In solchen Momenten mag dann ein gewisses Maß an Selbstbeobachtung hilfreich sein, vor allem wenn die Position von Merkur in gravierender Weise mit eigenen Radix-Stellungen interagiert.

Wenn sich das auch noch mundan bestätigt, also hier ebenfalls ähnliche Winde wehen, dann mag man durchaus die eine oder andere verblüffende Erfahrung machen. Merkur steht ja gerade im Skorpion, immer noch in Saturn-Nähe. Somit dürften alle Jahrgänge, bei denen sich Saturn ebenfalls dort befindet, besonders von dieser Rückläufigkeit betroffen sein.

Das muss sich nun nicht gleich als schlimmste Blockade oder ähnliches zeigen, ganz im Gegenteil kann das Denken jetzt sehr konkret und praktisch werden. Wer schreibt, entwickelt vielleicht eine Ausdauer und Konsistenz, die sonst eher Schwierigkeiten bereitet, Gedanken könnten jetzt äußerst plastisch im inneren Raum stehen bleiben, fast greifbar erscheinen. Wenn man es also schafft, die Energie auf konstruktive Themen zu lenken, kann man durchaus von einem Segen sprechen, wenn es sich dabei eher um negativ-besetzte Inhalte handelt, dann wohl eher von einem Fluch.

Denn die jetzt festgefahrenen Vorstellungen sind in den nächsten Tagen nur schwer wieder aufzulösen, müssen vermutlich immer und immer wieder hochgeholt, von allen Seiten betrachtet, skorpionisch zerlegt und auseinander dividiert und schließlich saturnal auf ihre letztendliche Substanz reduziert werden. Im günstigsten Fall ist man am Ende dieser Phase in der Lage, eine Geschichte oder Erkenntnis, die man zuvor nur äußerst ausschweifend und umfassend erklären konnte, in einen einzigen Satz zu packen.

Im ungünstigsten Fall werden die eigenen Gedanken zu Bollwerken, zu Mauern, hinter den wir uns eingraben, weil wir so überzeugt sind, dass die Dinge nur so oder so sein können, und niemals anders. Wir also nicht mehr zwischen Wirklichkeit und nur Gedachtem unterscheiden können oder wollen.

Aber zum Glück gibt es ja mundan das Trigon zu Jupiter (der ebenfalls kurz vor seiner Rückläufigkeit steht), man kann also darauf hoffen, dass in den meisten Fällen auch ein Erkenntniszuwachs entsteht. Generell also eine Zeit, in der es sich lohnen könnte, wichtige Lebensthemen zu vertiefen, nochmals von verschiedenen Gesichtspunkten aus zu betrachten, um dann am Ende dieser Phase konkrete Umsetzungen oder Konsequenzen einzuleiten. Also bitte keine Schnellschüsse, die gehen meistens nach hinten los.

Die Phasen jeder Rückläufigkeit kann man in drei Teile gliedern. Phase 1 beginnt im Prinzip schon dann, wenn, wie im aktuellen Beispiel, Merkur den Punkt im Zodiak erreicht, den er am Ende seiner Rückläufigkeits-Phase nochmal überlaufen wird. In unserem Fall geschah das am 01. Oktober. Jetzt werden im Prinzip alle wichtigen Themen erstmalig in Erscheinung treten, sowohl global gesehenen, wie auch für jeden Einzelnen. Alles was jetzt Bedeutung bekommt, ist quasi der Boden auf dem man auch in der Folgezeit laufen muss.

Phase zwei beginnt mit der eigentlichen Rückläufigkeit, die heute eingeläutet wurde. In den nächsten drei Wochen werden diese Themen jetzt überarbeitet, oder besser gesagt, aufgearbeitet. Da geht es mehr um Analyse, darum die Spreu vom Weizen zu trennen, das Wesentliche vom Unwesentlichen zu unterscheiden. Die Suche nach möglichen Ursachen für Hindernisse und Probleme kann jetzt hilfreich sein, wenn man dabei nicht endlos in Details stecken bleibt. Phase 2 endet am 11. November, dann wird Merkur gegen 22:12 wiederum stationär, fällt kurzfristig aus der Zeit und wird dadurch eindrücklicher als selbst Pluto. Aber seine Bewegung kehrt sich wieder um, findet zur Normalität zurück.

Dieser Moment läutet Phase 3 ein, jetzt werden alle zuvor bearbeiteten Themen nochmals durchleuchtet, aber mit dem Ausblick auf die Zukunft. Nun wäre es ratsam, die analytischen Prozesse abzuschließen und alle Themen im Hinblick auf ihre lebendige Umsetzung zu überprüfen. Denn jetzt herrscht auch im gedanklichen Bereich wieder eine gesunde Dynamik, der Schein gleicht sich wieder mehr und mehr dem Sein an.

Und am Ende, dann wenn Merkur den Startpunkt seiner eigentlichen Rückläufigkeit wieder überschritten hat, könnte etwas Neues entstanden sein. Das auf einer fundierten Grundlage basiert, da man sich die Zeit genommen hat, alle wichtigen Themen prozesshaft anzugehen, und somit auch genügend Substanz aufweist, um zukünftige Wandlungs-Anforderungen zu integrieren, ohne dadurch gleich gesichtslos zu werden.

In welchen Lebensbereichen das alles für jeden Einzelnen zum Tragen kommt, lässt sich alleine aus dem mundanen Ablauf nicht ableiten. Der Vergleich mit dem Radix (Transite, direktionale Auslösungen etc.) mag hier bessere Anhaltspunkte liefern, vor allem wenn man den Anfangs- und Endzeitpunkt der gesamten Phase als Orientierung nimmt. Mit diesen beiden Ereignischarts könnte man aber auch ein Zeitcombin erstellen, das man ebenfalls mit dem eigenen Geburtsbild abgleicht. Die wahren Forscherseelen nehmen noch die heliozentrischen Bezugspunkte bzw. Auslösungscharts hinzu, hier zeigen sich dann mehr die energetischen Themen, die, wenn man sie geschickt mit den geozentrischen Bildern verknüpft, Auskunft über Ursachen und Wirkungen (bzw. Umsetzungen) geben können.

Nimmt man all das zusammen, sollte man bei rückläufigen Planeten eher von einer Vielschichtigkeit sprechen, als von einem Defizit. Etwas verlagert und vertieft sich und findet seinen Ausdruck erst nach einer gewissen Zeit der Erfahrung und Auseinandersetzung. Was zwangsweise auch zu mehr Bewusstsein in Bezug auf die entsprechenden Themen führen sollte, es sei denn man empfindet die damit verbundenen Anforderungen als lästig und zu anstrengend.

Dann explodiert womöglich tatsächlich der neue Toaster, man kann sich nicht mehr an die eigene Telefonnummer erinnern oder vergisst wieder mal einen wichtigen Jahrestag. Sollten einem aber in dieser Phase auf der Autobahn nur noch Geisterfahrer entgegen kommen, wild hupend und blinkend, wäre es ratsam, schnellstmöglich den Fuß vom Gas zu nehmen, vorsichtig links ran zu fahren und den eigenen Standpunkt vielleicht doch nochmal zu überdenken.

Anhang: Alle Rückläufigkeiten der Planeten 2013

Weiterführende Erklärungen: Astro-Wiki - Rückläufigkeit; Stationäre Phase

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Kommentare  

 
ECW
# RE: Rückläufigkeit: Achtung Geisterfahrer!ECW 2013-10-21 17:54
Ich finde es schon fast zum Lachen. Heute Abend bekomme ich den 2. Satzlauf eines Buches, das ich geschrieben habe, übermorgen den eines zweiten Buches und das dritte ist gerade im Lektorat. Seit meiner ersten Veröffentlichung wurde jedes Werk bei rückläufigem Merkur druckreif. Danke für die Erinnerung daran! :-)
 
 
meta
# RE: Rückläufigkeit: Achtung Geisterfahrer!meta 2013-10-27 15:32
Na dann herzlichen Glückwunsch dazu :roll:, dass klingt ja gut.
 

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Freitag, 27. Mai 2016

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