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Buntes

Whitney Houston: Tod einer Mutigen

Der Kampf gegen den Mythos in sich selbst

Es ist traurig. Nicht dieser Tod speziell. Wie jeder andere beendet er einfach ein Leben. Kein Fehler, kein Mißverständnis, keine Ausnahme. Nur setzt gerade dieser Tod die Geschichte eines Kampfs für und gegen einen Mythos in sich selbst einfach fort. Manchmal muß man sogar sterben, um das, was man so nötig hat, wiederzubekommen. Das erste Drittel des Dramas.

Whitney Houston war ein Stern. Mit ihrer Löwe-Sonne-Venus-Konjunktion und dem Jupiter auf Mond im Widder ging sie einmal funkelnd auf. Aber sie hatte auch einen Fische-Aszendenten, der ihr einen sehr feinen, mysteriösen Nimbus schenkte, dem sie sich selbst gern hingab. Auf solche Menschen kann man alles projizieren. Den Glanz, die Hoffnung, ja sogar das Ewige. Sie sind so durchlässig für alle fremden Bilder.

Als der Stern unterging, wechselten unmerklich auch die neptunischen Etiketten. Statt zauberhaft war sie nun verwahrlost, statt genial heruntergekommen, statt einem Mysterium ein Drogenopfer. Das zweite Drittel Drama: Whitney Houston musste dafür nichts tun, als zu sein, was sie nun mal war. Eine Leinwand, auf die der alte Mythos von Aufstieg und Abstieg geworfen wird. Den Rest besorgen schon die fremden Bilder. Neptun in 8. Als Herr von 1.

Dazu Merkur-Pluto-Konjunktion auf dem Deszendenten. Sie garantiert, dass sich Whitney Houston irgendwann auch als Ergebnis der Urteile über sich empfand. In eine wie sie, die mit Sonne-Neptun und Fische-Ac den Scherbengerichten der Welt wenig entgegenzusetzen hat, im Guten wie Bösen, bohren sich nicht nur die schönen Bilder ein. Sondern die schlimmen vielleicht umso härter. Mit ihr, wie sie ist, hat all das gar nichts zu tun. Sie weiß allein nicht, wer sie sein soll. Herr 1 Neptun in 8 wird hier zum Urteil der anderen, um es gleichzeitig mitzuprägen.

Aber wenn Pluto auf Spitze 11 läuft und ein Quadrat zu Mars in 7 wirft, dringen Druck und Häme der Öffentlichkeit endlich durch. Dann kann man sich - vielleicht - von den vielen, herumschwirrenden Bildern befreien. Indem man selbst zerstört, was sonst das fremde Urteil zerstören würde. Der Mythos ist tot. Wie paradox: Lang lebe der Mythos. Neptun in den Fischen, Houstons Ac-Zeichen, macht's möglich.

Soweit das ganze Drama. 


 

Whitney Houston hatte mit ihrem Chart nun mindestens zwei Möglichkeiten: Sich tatsächlich von den Urteilen der anderen, die sie prägten, endgültig zu lösen. Oder sich ihnen doch noch zu unterwerfen. Die Tragik einer Sonne und Venus, die sich so sehr wünschen, funktional zu sein, aber dabei Applaus brauchen, deutet die Entscheidung schon an.

Ein Pluto-Mars-Transit ist bei ihrer Konstellation, die es mit Sonne und Mond im Feuer so dringend nötig hat, Goldkind zu sein, dabei aber der schlimmste Zwang zur Entscheidung, den man sich vorstellen kann. Dabei geht es gar nicht um äußere Prozesse, sondern um einen inneren Standpunkt. Um Positionsveränderungen. Um den Weg zu sich, nicht mehr zu den anderen.

Pluto als Herr 9 der Visionen und Perspektiven schärft den Herrn 2 an, der seine Grenzen völlig nach 7, an das Publikum, delegiert hat. Da war es immer extrem schwer, zu begreifen, wo eigentlich man selbst aufhört und andere anfangen oder umgekehrt. Das sagt einem bestenfalls die Welt, wenn man mit neptunbezüglichem Ac ein Selbsttabu empfindet. Ob in der Kindheit oder der späteren Kampfehe - der Mars in 7 (Denkpeitsche) spielte hinter der Glamourfassade immer eine Hauptrolle. Als Agitator oder "empfangener" Agressor von außen.

Dazu kommt ein Neptun als Herr 1 in 8 im Quadrat zur Sonne (Herr 6 in 6). Der Mythos Selbst kämpfte in Whitney Houston lebenslang gegen den eigenen Standort, der einfach nur funktionieren will. Und dabei gut aussehen. Klassisch begleitet von einem schweren Zug in Richtung Substanzen, die einem die Illusion der Kongruenz aufrechterhalten. Oder wieder geben, wenn man sie unterwegs zu den anderen verloren hat. Oder einfach diese endlose Ambivalenz zwischen sich und der Welt da draußen etwas leichter machen.

Houston, die mit einem Ac-Herrn im fanatischen Haus 8 viel Schlimmes, Bedrohliches erlebt haben muss, ohne es klar auf "Schuldige" zurückführen zu können, wollte sich irgendwann einfach gut fühlen.

Wie jede Frau Ende der 40 hat sie dabei aber auch seit Jahren darum gekämpft, endlich auf normale Art erwachsen zu werden. Mehr oder weniger erfolgreich. Mehr oder weniger verirrt und verzerrt. Dass dazu gehört, aus Schubladen auszusteigen, verzieh ihr eine hämische, mythosverliebte Öffentlichkeit nicht. Aber Houston hat es versucht. Dieser Versuch ist nicht erst jetzt gescheitert.

Den Kampf gegen ein Bild aufzunehmen, das in Teilen von sich selbst, in anderen von anderen stammt (Neptun als Double-Bind-Faktor), bedeutet ja auch, kräftiger, körperlicher, opulenter, charaktervoller, ausgeprägter als die Barbiepuppe zu sein, die (tatsächlich!) nach Houstons junger, mythischer Persona gestaltet wurde. Das hieß für sie auch, statt dem Bild ein Sein zu leben, das weniger einseitig war. Mutiger. Genauso konfus, wie es nun mal angelegt ist. Ein bisschen verlogen, ein bisschen untergangsgeweiht. Eine Welt, die in punkto ihrer Idole immer von Kategorien zehrt, nennt das dann unkomplizierter: Abstieg. 

Natürlich hat sich Houston mit Sonne-Venus-Neptun unter Hochdruck ihrer bohrenden Fixierung auf das Du auch selbst zerstört. Merkur ist zweifacher Achsherrscher und wird mit Pluto am Deszendenten - die fixierte, vermeintlich rationale Bedeutungszuschreibung - massiv. Wenn die fremde Einhämmerung in Kategorien wegen mangelnder Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit wegbricht, muss man den delegierten Aspekt plötzlich selbst übernehmen. Gnadenlose Selbstbeurteilung.

Wie kann das weicher gehen, wenn man sich von Jugend an als Ausnahmeerscheinung zurechtgezurrt hat, mit begnadeter Stimme gesegnet ist, aber ohne Berechtigung des Anderen (sondern nur der anderen) im Eigenen durch's Leben wandert? Whitney Houstons Lebensrange umfaßte wie ihr Stimmwunder mindestens die berühmten, genialen drei Oktaven. Aber das ermöglicht eben nicht nur phänomenale Sondereffekte, sondern auch eine unglaubliche Zerrissenheit. Zu einer guten Lösung hätte es darum unter Pluto-Mars mehr gebraucht, als das Hineinfallen in ein gegenläufiges Klischee, das bisherige Mythen ersetzte. Mehr Gegenwehr oder eine andere Art Aufgabe, wie mit einem "guten", aber zehrenden Sonne-Neptun-Ausgleich erreichbar.

Der Austausch von Pluspol durch Minuspol ist im Neptunischen nie die Lösung. Da schwimmt man sich entweder in ein wahreres, tieferes Selbst hinein und lernt, amoralisch (im Sinne von frei) zu sein und mit dem Herrn 2 in 7 nicht mehr die Angst vor dem Rauswurf aus der Herde zu heiligen. Oder man geht buchstäblich unter. Ob Whitney Houston tatsächlich in der Badewanne ertrunken ist, ob Drogen oder nicht im Spiel waren, ist dafür völlig unwichtig.

Am Todestag war der erste Pluto-Mars-Überlauf bereits überschritten. Vermeintlich "erfolglos". Denn darum ging es ja auch. Ein "Es muss, es muss!" machte ihr vermutlich massive Angst. Denn der Pluto würde ja wiederkommen, das nächste Mal sogar mit Uranus des mundanen Quadrats im Gepäck. So etwas spürt man, ohne von Astrologie überhaupt zu wissen.

Mars, in seinem folternden, rückläufigen Durchlauf der Jungfrau holte den Konflikt des "Ich oder die anderen" im Quadrat zu Houstons Mc/Ic-Achse aber erneut hoch und spitzte den Pluto-Transit durch Einbezug von sich selbst wieder an. Dazu gehört immer Aggression. Und so kann es sein, dass es Streit gab.

Die On-Off-Affäre mit dem erst 31jährigen Ray-J war hoch konfliktreich. Seine Mars-Merkur-Konjunktion steht in Opposition zu ihrer Sonne-Venus, ihr Mars auf seinem Saturn-Jupiter, der, wie seine Venus im Steinbock gerade von Pluto transitiert wird. 

Entscheidend ist aber, Houston war von eigenem und fremdem Pluto-Mars-Fanatismus entsetzlich entkräftet und stand vor der Demütigung, wieder einmal bei den Grammys nur Statistin zu sein und überhaupt mit Tingeleien durch Talentshows als Perspektive (T-Pluto Herr 9 Spitze 11) ihrem eigenen Alter ins Gesicht zu schauen. Ihr Combin mit dem vermutlichen Todeszeitpunkt zeigt ein scharfes Mond-Mars-Quadrat (Selbstverletzung) von Krebs nach Waage. Und die Venus Herrscherin 2 exakt am Dc. Hier wiederholt sich die Radix-Konstellation des Mars', das Delegieren des Selbst, als Ursache der Ereignisse.

Zudem lief das MC während der Reanimaion erst in Spannung zum Pluto-Transit und dann über Whitney Houstons Mond-Jupiter, der ihr bei all dem Neptun sonst die Kampfkraft erhalten hat. Das holt die Erinnerung an das Goldkind Whitney, den Mythos, hoch. Genauso, wie der Aszendent, der gerade nach Löwe gewechselt war und damit die Themen der ehemals so leuchtenden Sonne-Venus-Konjunktion mit ihren Anpassungsversuchen an die Umwelt wieder startete. Natürlich war da erneut auch all die Ambivalenz. Mythos oder Wahrheit?

Als Ursache des Unglücks waren zweifellos auch Substanzen im Spiel. Aber all das ist unwichtig. Wichtig ist, dass der Tod dem Mythos Whitney Houstons in beide Richtungen, die wirkliche Teile ihrer Wahrheit waren, nichts nehmen kann. Dass sie gewesen ist, wer sie sein sollte. Eine Frau, die um sich und genau die Realität kämpfte, die ihr zustand. Mit vielen Fantasien, Talenten, viel Verletzlichkeit und genauso viel Eigensinn von der anderen, der Publikumsseite. Aber auch mit den eigenen Fehlern, der Zerstörung der Bilder, einer unglaublichen Durchlässigkeit, dem Hang, wegzufließen aus den Wirklichkeiten, die Selbstgrenzen verwahrlosen zu lassen und "fort", nicht mehr greifbar für das Reale zu sein.

Eine der größten Stimmen des Jahrhunderts. Wichtig ist das, was am Ende von all dem bleibt.

Das ist gewiss nicht jenes zwanghaft stattfindende, nun brandneue, sehr kleine, sehr arme, sehr selbstbesessene Medien-Urteil über eine Projektionsfigur Houston. Im Prozess gegen deren alten Mythos, den die Medien selbst erschufen, nur diesmal eben mit wechselnden Vorzeichen: Hotelzimmer, Abstieg, Tod. Bedauern. Ja. Es ist so traurig. Aber es stellt sich nicht die Frage, wieso sie es nicht geschafft hat. Denn das hat sie ja. Insgeheim, wie es für Neptun üblich ist, hinter der glitzernden Fassade des Sonnenhaften.

Was Whitney Houston - selbst entschieden - für sich getan, erkämpft, gelebt hat, gehört nur ihr. Gerade, wenn es sich nach draußen oft destruktiv zeigte. Es war ihr privater Lösungsversuch. Am Ende stehen bei solchen Konstellationen häufig Verrätselung, Diffuses. Und auch dieses unklare Gefühl der Schuld. Der Beteiligung. Von allen, die dieses Wunder von Aufstieg und Fall beobachtet haben wie Voyeure.

Jeder hat das Recht, er selbst zu sein. Auf seinen kleinen, persönlichen Traum, ein Mythos und kein Mythos zugleich zu sein. Hier war das Ganze, durch Mond-Jupiter, nur etwas umfassender als bei allen anderen. Insofern hat Whitney Houston für sich gelebt, was sie zu leben hatte. Alles auf einmal. Rückwärts und vorwärts. Bis über jede übliche Grenze hinaus. Neben den Verirrungen Neptuns auch seinen Zauber, der eben nicht, nie, vergeht. Jemand, der in seiner publikumswirksamen Ambivalenz wenigstens das Leben anderer bereicherte.

Oder, wie Whitney Houston selbst einmal verwundert meinte: "Hier bin ich auf einmal, mit der richtigen Hautfarbe, der richtigen Stimme, dem richtigen Stil, dem richtigen Was-auch-immer. Ein kleines Girl überschreitet einfach die Geschmacksgrenzen und - wusch! - ist es auf einmal ein bisschen einfacher für die anderen.“   

Fotos (bearbeitet): 1. Egghead06 derivative work: matanya • talk/2. unknown, beide via Wikimedia Commons

 

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