Loop!

Buntes

Warten auf Godot

Mythos um 2012

Gleich vorneweg: Wir (die astrologische Zunft) sind diesmal unschuldig. Selbst die schlimmsten Weltuntergangspropheten, die ansonsten auch mal einen simplen Vollmond („Roter Blutmond in der Via Combusta…“) bemühen, um Katastrophenszenarien und sonstige Unappetitlichkeiten an himmlische Wände zu malen, halten sich auffällig bedeckt.

Der Hype um 2012 stammt eindeutig aus einer anderen Ecke. Immer öfter stellen auch ansonsten eher skeptische Bekannte die Frage: „Was wird denn nun 2012?“. Und auch meine Antwort bleibt gleich. Nichts wirklich Neues am Firmament.


Zumindest nichts, was auch nur im Ansatz den Untergang sämtlicher Abend- und Morgenländer andeuten könnte. Mal abgesehen von dem Fakt, dass dies aus astrologischer Systemsicht sowieso völliger Humbug wäre. Denn woran sollte man eine solche Prognose festmachen?

Das Geburtshoroskop der Erde selbst wäre in diesem Zusammenhang natürlich spannend, nur – so genau kann der Beginn des Hadaikum auch heute noch nicht bestimmt werden. Und schon gar nicht der Zeitpunkt, wann denn nun die kosmische Nabelschnur von Mutter Gaia durchschnitten wurde.

Endzeitmäßig  ist 2012 also eine astrologische Nullnummer. Wir können mit ein paar Veränderungen im Zeitgeist aufwarten (die sinnigerweise das Phänomen 2012 auf eine andere Art erklären), aber im  Chor der Apokalyptiker, die zusammen wieder mal den Klassiker „das Ende ist nah“ intonieren, wird man diesmal nur die tumbsten Vertreter unserer Gattung wiederfinden. Manche davon ungefragt, weil längst verstorben.

I. Nostradamus

Als da wäre Michel de Nostradame, ein umtriebiger Apotheker der Frührenaissance, der mit seinen Prophezeiungen auch heute noch für Furore sorgt. Nostradamus gilt gemeinhin als großer Astrologe, leider teilten seine Zeitgenossen diese Sicht nicht. Im Gegenteil, Laurens Videl, ein Gelehrter der an der Universität Avignon Astrologie unterrichtete, schrieb Nostradamus in einem offenen Brief: „Ich kann mit völliger Sicherheit sagen, dass Du von echter Astrologie weniger als nichts verstehst… Du, der nicht die geringste Bewegung irgend eines Sterns zu kalkulieren weißt und keineswegs mehr als die Bewegungen verstehst Du, wie Deine Ephemeriden zu benutzen sind.“

Nostradamus selbst bezeichnete sich dementsprechend auch nie öffentlich als Astrologe, sondern als „Astrophile“, einen Sternenfreund. Seine berühmten Quadrains und Centurien müssen deshalb nicht unbedingt Ausdruck höchsten Verständnisses gewesen sein. Auch wenn er sich darin häufig auf Himmelsobjekte und -konstellationen bezieht. Ungeachtet dessen, sind seine berühmten Verse allesamt zeitlich nicht einzuordnen, d.h. wer immer heute bestimmte Aussagen auf 2012 bezieht, tut dies als Freigeist ohne jeglichen überprüfbaren Hintergrund. Aber selbst die Nostradamus-Experten gehen davon aus, dass seine Prognosen bis ins Jahr 3797 reichen, denn das hat er in einem Vorwort der „Prophetien“ seinem Sohn Cesar eigenhändig mitgeteilt.

Insofern – der Weltuntergang 2012 muss leider ohne die Zustimmung von Michel de Nostradame stattfinden.

II. Der Maya-Kalender

Am häufigsten wird im Zusammenhang mit 2012 das angebliche Ende des Maya-Kalenders genannt. Nach manchen Berechnungen endet nämlich die sogenannte Lange Zählung der Mayas exakt am 21.12.2012, sinnigerweise wird dann das Ende des 12. Baktun (1 Baktun = 144 000 Tage) mit der Kalenderzahl 13.0.0.0.0 angegeben.

Der Maya-Kalender an sich ist ein höchst interessantes Forschungsfeld, auch für Astrologen, nur sollte man sich damit gebührend Zeit lassen. Denn die verschiedenen Systeme wie die Lange Zählung, der Tzolkin Kalender und das Haab greifen höchst filigran ineinander und Nicht-Eingeweihte können dabei schnell die zeitliche Orientierung verlieren. Doch gerade diese Spezies hat es sich zur Aufgabe gemacht, das angenommene Ende der Maya - Zeitrechnung auch als Ende der Zeit überhaupt zu proklamieren.

Da hat jedoch selbst der Ältestenrat der Mayas, der allen Unkenrufen zum Trotz für den 28. Oktober 2012 den Beginn eines neuen goldenen Zeitalters ausrief, wenig Chancen, gehört zu werden. Gesteht man aber den Nachfahren der einstigen Schöpfer dieser Zeitmessung genügend Kompetenz und Urteilskraft zu, kann das nur zu einem Schluss führen:

Der Weltuntergang 2012 muss leider auch ohne das Einverständnis der Mayas stattfinden.

III. Planet X oder Nibiru

Ganz hartgesottene Endzeitfanatiker verkünden auch das plötzliche Auftauchen eines mythischen Planeten. Nibiru, so wird gemunkelt, war schon den alten Sumerern bekannt, teils als Gottheit im Gefolge des Marduk (Jupiter-Analogie), teils als astronomisches Phänomen. In einer alten Keilschrift wird dies relativ ausführlich beschrieben:

„Nibiru, der die Übergänge von Himmel und Erde besetzt halten soll, weil jeder oben und unten Nibiru befragt, wenn sie den Durchgang nicht finden. Nibiru ist Marduks Stern, den die Götter am Himmel sichtbar werden ließen. Nibiru steht als Posten am Wendepunkt.“

Zweifelsohne handelt es sich dabei also nicht um einen Planeten, sondern einen Kulminationspunkt. In anderen Quellen wird Niribu als auch Nordpunkt des Mondes beschrieben, im Zusammenhang mit der Wintersonnenwende und dem Beginn eines neuen Jahres.
Soviel zur Mythologie. Was Astronomen und Astro-Physiker zum „plötzlichen Auftauchen eines neuen Planeten“ in der Nähe unserer Erde zu sagen haben, kann man bereits überall nachlesen. In Zeiten, in denen selbst Gesteinsbrocken von der Größe eines Kleinstwagens nicht mehr unbemerkt auf die Erde zusteuern können (erinnert sei in diesem Zusammenhang an Aphopis), sind planetengroße unentdeckte Himmelskörper einfach  schlechte SciFi-Fantasy. Selbst Captain Kirk würde sich im Sternengrab umdrehen. Von Spock ganz zu schweigen.

Fazit: der Weltuntergang 2012 muss leider auch ohne das Einverständnis der Sumerer, der Wissenschaften und der Star Trek Crew stattfinden.

IV. Galaktische Linien und Schwarze Löcher

Angeblich wird aber gleich das gesamte Sonnensystem am 21.12.2012 die Äquatorlinie der Milchstraße kreuzen. Und somit der immensen Strahlung von Sagittarius A, dem Zentrum unserer Milchstraße (das unappetitlicherweise auch als „Schwarzes Loch“ bezeichnet wird), schutzlos ausgeliefert sein.

Fairerweise muss man sagen, dass dies die ausführlichen Erklärungen mancher selbsternannter Galakto-Experten nur sehr verkürzt wiedergibt. Was aber die Faktenlage angeht, ist schon die Grundannahme schlicht falsch. Weder existiert ein galaktischer Äquator quasi als bestimmbare Naturkraft. Es handelt sich lediglich um ein Koordinaten-System, das  Astronomen als Hilfsmittel zur Standortbestimmung benutzen. Noch könnte jemand einen exakten Zeitpunkt der Überquerung nennen - selbst wenn man diese Linie als  gegeben annehmen würde. Jedenfalls nicht aus galakto-zentrischer Sicht.

Was stimmt: Die Sonne kreuzt aus unserer Sicht (erdbezogen = geozentrisch) zweimal im Jahr eine imaginäre Null-Linie. Zur Sommer- und zur Winter-Sonnwende. Insofern muss das Datum des 21. Dezembers niemanden verwundern. Da dies aber seit einigen Millionen Jahren immer wieder passiert ist, wird es wohl auch diesmal ohne größere Schrammen für Mutter Erde ausgehen.

Deshalb: der Weltuntergang 2012 muss leider auch ohne Mitwirkung des GZ und sonstiger kosmischer Faktoren stattfinden.

V. Was bleibt?

Was bleibt, sind die üblichen Verdächtigen. Natürlich gibt es die Möglichkeit eines Polsprungs. Auch wenn der von Wissenschaftlern erst in einigen tausend Jahren erwartet wird. Und niemand kann wissen, ob die beiden Begleiter von Sirius sich nicht doch noch plötzlich als Neutronensterne entpuppen. Und etwa mit einem Gammablitz alles in ihrer Nachbarschaft „erleuchten“. Vielleicht wird auch ein bis dahin träge vor sich hin schlurfender Asteroid durch starke Sonnenwinde etc. zu neuem Leben erweckt. Oder kreuzt plötzlich auf neuem Kurs die Bahn der Erde.

So gesehen ja. Der Kosmos steckt voller Überraschungen. Manche davon könnten allerdings auch ziemlich unangenehm sein. Aber auch mit dieser Drohung überlebt die Menschheit schon seit einigen Millionen Jahren. Und wird es wohl auch weiterhin tun.

In diesem Sinne: Prosit Neujahr. Mögen die Ältesten der Mayas Recht behalten:
„Auf ein neues, goldenes Zeitalter.“

(meta - 28.12.2011, 21:12 h)

  • Keine Kommentare gefunden
Bitte erst einloggen, um die Kommentarfunktion freizuschalten.
Dienstag, 23. Juli 2019

Suche

Transite

Dienstag, 23. Juli;
04:50 Uhr
Sonne Kon L?we
Dienstag, 23. Juli;
15:33 Uhr
Mond Tri Mars
Dienstag, 23. Juli;
18:13 Uhr
Mond Tri Jupiter
Dienstag, 23. Juli;
20:30 Uhr
Mond Qua Saturn
Dienstag, 23. Juli;
23:09 Uhr
Mond Qua Node
Mittwoch, 24. Juli;
07:20 Uhr
Mond Qua Pluto
Mittwoch, 24. Juli;
15:12 Uhr
Mond Qua Venus

Translate

dedanlenfritptessv

Sponsoring

sponsoring

Mit eurem Sponsoring helft ihr uns, auch nach 6 Jahren mit Loop! weiter hochwertige astrologische Information möglichst kostenlos zur Verfügung zu stellen. Wer unsere Arbeit mit einem Betrag seiner Wahl unterstützen möchte, kann das einfach und sicher per Klick auf den Button oben tun. Der Direktlink lautet: PayPal.Me LoopAstro. Herzlichen Dank! 

Login

Loop! verwendet Cookies, Google Analytics sowie einige Social Media Buttons. Um Ihre Privatsphäre zu schützen, benutzen wir als Like & Share Buttons nur Plugins, die ein höchstmögliches Maß an Datensicherheit bieten. Mit einem Klick auf den nebenstehenden OK-Button stimmen Sie der Verwendung von Cookies und der Datenverarbeitung zu, die in unserer Datenschutzerklärung (Direktlink unten auf jeder Seite) nach der neuen EU-DSGVO ausführlich erklärt ist.
Weitere Informationen Ok Ablehnen