Loop!

Buntes

Das leere Blatt

Im aktuellen Chart steht Neptun gerade am MC und Pluto am DC, Herrscher von 1 in 8 (Mond) und Jupiter bewegt sich gemächlich durchs 12. Feld. Eigentlich war schon ein anderer Artikel fertig. Großes Thema, große Gefühle, weiter Blick. Und plötzlich passiert etwas, du schaust nochmal auf das Gesamtbild und denkst dir: "Was solls, wen interessiert’s eigentlich?"
Das wird nix. Dieses Blatt bleibt leer. So leer, wie sich das alles gerade anfühlt. Ein paar Stunden, bevor die Sonne wieder ihren Ausgangspunkt erreicht, dort, wo alles angefangen hat. Zumindest leer vom üblichen, bemühten Inhalt. Aussagen zum  Weltgeschehen, astrologischen Herleitungen, Aufzeigen der Verbindungen, Motivieren- und Inspirieren-Wollen.

Ich kann auch Gründe nennen. Die üblichen zuerst – der oder die hat das oder jenes gemacht, deswegen fühle ich mich so und so. Die üblichen Verdächtigen halt in einer Welt, der man nie genau ansieht, ob sie jetzt nur das Spiegelbild der eigenen Projektionen ist, oder eine allgemein gültige, demokratische Wirklichkeit, auf die man sich wieder mal mit anderen geeinigt hat. Weil man das eben so macht. Aber ich kann auch andere Gründe nennen. Astrologische. Zum Beispiel diesen verdammten Transit von Uranus in Opposition zu meinem Mond. Oh, wie schön, Neuanfang, Revolution, Bifurkation. Ein neues Erleben von Gefühlen und Stimmungen, herzlichen Glückwunsch. Sie werden heute eine Überraschung erleben. In der astrologischen Erbauungsliteratur finden sich ja immer wieder hoffnungsvolle Anregungen, wie man mit solchen Zeitgeist-Wendungen umzugehen hat. Ich selbst bin auch ein Meister im Schöndenken von allem Schrecklichen. Aber die, meine Wahrheit ist im Moment – da ist absolut nichts Erbauliches daran.

Mond, die innerste Hülle, die einen bisweilen doch noch etwas vor dem fremden Anderen schützen soll, ist weg. Da ist nichts mehr, höchstens noch Überreste und Erinnerungen. An damals als da noch Gefühle und Empfindungen waren. Am Anfang, als sich der große Erneuerer zum ersten Mal auf diese Grade begab, hörte ich ihn noch. Diesen neuen Ton, ein seltsamer Klang irgendwo zwischen einem hellen Sirren und einem unhörbaren Brummen. Nein, kein Tinnitus, die Welt ist Klang, wie Joachim Behrends einmal so schön textete. Und man kann sie nicht nur sehen, riechen, schmecken, fühlen, sondern auch hören. Andauernd.

Bestimmte Symphonien werden einem im Lauf der Zeit so geläufig und vertraut, dass man sie für Stille halten könnte. Aber wenn es nur lange genug still ist, dann lösen sie sich langsam wieder aus dem weißen Nicht-Rauschen und drängen in den Vordergrund. Einer der Gründe warum ich heute lieber wieder Musik machen würde, als etwas zu schreiben. Ich müsste den Klang nur kopieren, damit wäre eigentlich alles erklärt. So aber wieder der Versuch über Worte, mit dem Wissen, dass es andere und begabtere Menschen gibt, um Ungesagtes und Gedachtes auszudrücken. Wo war ich?

Uranus richtig. Mond. Keine Zeit um Heimat zu suchen, geschweige denn eine zu finden. Das sich selbst fremd werden, führt immer auch zu einer Entfremdung anderer einem selbst gegenüber. Spieglein, Spieglein an der Wand. Man wünscht sich, dass da jemand kommt und sich stellvertretend für einen, an einen erinnert. Aber wenn der Boden (IC, Mond, Haus 4), auf dem man bisher ganz gut gestanden hat, plötzlich wegbricht, ist Tür und Tor geöffnet für alle Arten der Zuwendung, alle Arten von Inhalten, mit denen man sich dann doch gefälligst einen neuen basteln soll.

Menschen, die dich nicht kennen und noch nie mit dir gesprochen haben, wissen plötzlich alles über dich. Der freie Flow schwappt über dir zusammen und du fängst ernsthaft an, darüber nachzudenken, ob es nicht sein könnte, dass sie dich trotz allem besser kennen als du dich selbst. Uranus. Wenn er sich wenigstens als Zweifel tarnen würde, aber das hat er gar nicht nötig. Da langt ein Wort, eine Idee und schon darf sie gleichberechtigt neben all den anderen Wörtern und Ideen ihr Recht einfordern.

Am Ende stellst du schließlich fest, dass die Wahrheit der Vielen tausend Gesichter hat, und denkst nur noch: „Wehe, wenn sie sich auf eines einigen. Eines Tages…“ In gewisser Weise war ich schon immer ein Chaot. Und solange Uranus nicht wirklich ins Leben drängt, kann man das auch ganz nett finden. Aber in diesen Tagen merkst du schnell, dass dir immer etwas gefehlt hat, um die Narrenkappe auch mit Würde zu tragen. Der Mut zur Endlichkeit.

Denn wahr ist auch, plötzlich kann alles vorbei sein. Oder wie es ein tibetischer Lehrer einmal ausdrückte: „Du weißt nie was als nächstes kommt, der nächste Morgen oder das nächste Leben.“ Dumm, wenn man seine Hausaufgaben nicht gemacht hat. Dumm wenn man nicht darauf vorbereitet war. Dumm, wenn man geglaubt hat, man könnte sich den ganzen Unfug leisten. Hätte alle Zeit der Welt oder zumindest noch genügend, um all das zu Ende zu bringen, was man angefangen hat. Könnte noch ein paar Streits gewinnen oder die endgültigen Fragen nach Richtig und Falsch beantworten.

Plötzlich bedeutet immer plötzlich. Unerwartet. Du kannst noch so gut vorbereitet sein, es ist trotzdem plötzlich. Du siehst es nicht kommen, wenn du es sehen kannst, ist es NICHT Uranus. Und das mir als Astrologen. Von dem erwartet wird, er könnte es sehen, die Zukunft, als eine schlüssige Antwort auf Gegenwart und Vergangenheit. Die Wahrheit ist (und natürlich auch sie nur eine der vielen), das Prinzip Uranus entzieht sich auch allen tiefsinnigen und listigen astrologischen Überlegungen. Wer etwas anderes behauptet, darf es gerne beweisen.

Ich weiß also nicht, was kommen wird. Vielleicht biege ich um eine Ecke und finde Verrat und Lüge. Oder ein wunscherfüllendes Juwel. Tiefste Glückseligkeit und Zufriedenheit. Alles ist möglich aber es wird am Ende nichts ändern.

Der Hype um den Weltuntergang war ja vielleicht auch nichts anderes, als eine kleine uranische Gemeinheit. Irgendjemand hat irgendetwas entdeckt, sich ein paar Gedanken gemacht und einen spontanen Schluss daraus gezogen. Der Rest ist Geschichte. Jetzt sitzen Tausende, wenn nicht Hundertausende in ihren gedachten oder wirklichen Überlebensbunkern und beten um Erleuchtung, Befreiung oder Verzeihung. Und vielleicht sind sie näher an dieser uranischen Wahrheit als ich, der seit Monaten behauptet, es wird diesen Weltuntergang nicht geben.

Vermutlich habe ich damit recht. Aber eines haben mir die scheinbar Fehlgeleiteten jetzt voraus: was immer kommt wird sie überraschen und sie haben zumindest diese Möglichkeit in Betracht gezogen. Wenn also doch der Morgen des 22. Dezembers kommt, dann werden die meisten voller Freude dieses, ihr Leben in vollen Zügen genießen. Und wenn sie klug sind, behalten sie das bei. Und sollte doch das nächste Leben kommen, vielleicht auch nur für einige von ihnen, dann waren sie zumindest vorbereitet. Der Schrecken dürfte sich in Grenzen halten.

Deswegen meine Entschuldigung an alle die, die ich belächelt habe. Und auch an alle die, die ich mit diesem leeren Blatt gelangweilt habe. Es tut mir leid. Und noch so vieles, vieles mehr. Aber sollte auch für mich und dich und euch ein nächster Morgen kommen, dann gelobe ich hiermit feierlich Besserung. Nicht damit ihr mich liebt und mir nette Worte sagt. Sondern weil es richtig ist. Immer weiter das Bestmögliche zu geben, für dich und euch und mich. Das wird dem nächsten Morgen gut tun und auch dem nächsten Leben. Was immer Uranus auch bringen mag...

Titel (bearbeitet): Idontknowtheworldtoday (Own work) via Wikimedia Commons

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Dienstag, 21. Mai 2019

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