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Zeitenwechsel: Sonne und Zwilling

Als die Sonne am Samstag gegen 22:30 Uhr unserer Zeit in die dritte Wandlungs-Phase des Zodiak wechselte, war er plötzlich wieder da. Oder besser – wieder deutlicher wahrnehmbar. Der Raum. Dieses leichte Etwas, das man eigentlich nicht sehen, sondern höchstens spüren kann. Dieses luftige Element, das alles umfasst und umgibt, nichts ausschließt oder bevorzugt. In den letzten Wochen hatte ich schon manchmal vergessen, wie wohltuend und auch entspannend es sei kann, wenn man den inneren Fokus einfach nur auf diesen Raum zwischen den Dingen, zwischen den Gedanken, Erscheinungen und Reiz-Impulsen richtet.

Und nein, ich verwechsle diese Energie nicht mit den neptunischen Fische-Schwingungen, denn dort verschwindet auch der Raum als letzte Bastion der Orientierung vollständig. Aber es mag eben kein Zufall sein, dass sich diese beiden Zeichen in ihrer Symbolik stark ähneln. Aber wo es bei den Fischen um Letztendliches geht, das weder durch den Intellekt verstanden, noch durch die üblichen Sinne erfahren werden kann, bleibt im Zwilling Raum für solch ein Verständnis. Das dann wiederum zur Annäherung wird oder zumindest werden könnte, wenn man die eigentliche Botschaft dieser Phase nicht nur versteht, sondern dann auch weiter trägt in die nächste Wandlungs-Phase - den Krebs. Und dort ins eigene Empfinden integriert, damit daraus auch die weiteren Ent-Wicklungen ihre Impulse beziehen können.

Diese eigentliche Botschaft zeigt sich schon in den mythologischen Legenden, die mit dem Zeichen Zwilling verknüpft sind. In der  Legende von Kastor und Pollux wird berichtet, dass Königin Leda sich in ein-und-der-selben Nacht mit Zeus-Jupiter – in der Gestalt eines Schwans – und ihrem menschlichen Gatten Tyndareos vereinigte. Als sie dann zwei Söhnen das Leben schenkte, stellte sich heraus, daß einer der Zwillinge, Pollux, ein Unsterblicher der Götterwelten war, sein Bruder Kastor aber menschlich und sterblich.

In ihrer Jugend wurden beide von Zeus und Merkur ausgebildet, doch obwohl sie quasi unzertrennlich waren, hatten sie sehr verschiedene Charakteranlagen. Kastor, der sterbliche Mensch, war eher materiell ausgerichtet und emotional spontan. Er liebte Veränderung und Zerstreuung, war ständig Schwankungen unterworfen und hatte wenig Ausdauer. Sein unsterblicher Zwillingsbruder Pollux dagegen galt als selbstbeherrscht, war ein kühler Realist mit grüblerischen, kritischen und ironischen Zügen.

Als Kastor bei einem Streit ums Leben kam, war Pollux untröstlich und bat seinen Vater Zeus-Jupiter ihm selbst auch die Unsterblichkeit zu nehmen, damit er wieder mit seinem Bruder im Totenreich des Hades vereint sein könne. Zeus bot ihm als Alternative an, entweder ewig jung zu bleiben und unter den Göttern zu wohnen oder zusammen mit seinem Bruder jeweils einen Tag im unterirdischen Reich des Hades und einen Tag im Olymp zu weilen und dabei zu altern und letztlich auch zu sterben. Ohne zu überlegen, wählte Pollux letzteres, seitdem wandert er mit Kastor zwischen den beiden Extremen der Welt hin und her.

Die Doppelnatur des Zwillings, seine Kastor-und-Pollux-Natur, ermöglicht es ihm, mit sich selbst Zwiegespräche zu halten, d.h. sich gleichzeitig als engagierter Handelnder und als anonymer Beobachter seines eigenen Handelns und Denkens zu sehen. Hierin besteht seine größte Entwicklungsmöglichkeit, aber auch gleichzeitig sein größtes Problem.

Hans Taeger, Astroenergetik, Knaur 1989, S. 219

Denn natürlicherweise kommt es so immer wieder zu Schwankungen im  eigenen Erleben, mal möchte der Zwillings-Archetyp alles luftig auf die „leichte“ Schulter nehmen, dann verfällt er wieder ins Grübeln und stellt sich und alles um sich herum in Frage. Natürlich geschieht dies hauptsächlich innerhalb der Ebenen des Luftelements, da aber im dynamischen Kontext des astrologischen Wandlungskreises alles mit allem verbunden ist und bleibt, wirkt sich dieses Schwanken auch auf alle anderen Erfahrungsbereiche aus.

Der Astrologe Oskar Adler sprach in diesem Zusammenhang auch von der Entstehung des Zweifels.

Der Zwei-fel ist nicht etwa die bloße Unfähigkeit, sich für eine Richtung zu entscheiden, sondern das Verlangen, zwei einander widersprechende Möglichkeiten des sogenannten kontradiktatorischen Gegensatzes gleichzeitig zu verfolgen – ohne die Kraft, sie zu einer höheren Einheit zusammen zu schließen. Der Zweifel wird so zu einem Dauerzustand erhoben, den zu durchleben der eigentliche Inhalt des Zwilling-Lebens ist…
Es verzehrt sich demnach das Leben des Zwillingsmenschen im Suchen und Ver-Suchen, das für ihn wichtiger wird als das Finden.

Oskar Adler,  Das Testament der Astrologie, Verlag Hugendubel 1991, S. 268

Genau das könnte nun auch ein Motto für die nächsten vier Wochen werden – das Suchen und Versuchen wichtiger zu nehmen als das Finden selbst. Oder wie es Hans Taeger ausgedrückt hat:

Wer dieses Naturphänomen (Zwilling) positiv begreift und weiß, daß ein Tief immer die Vorbereitung auf ein Hoch ist, wird aufhören sich gegen dieses innere Auf und Ab zu wehren. Er wird mit dem krampfhaften Versuch aufhören, aus einer Tiefphase eine Hochphase zu konstruieren und damit beginnen, seinen geschwächten Zustand als eine Art Kurzurlaub zu nutzen, in dem die Erfahrungen der High-Phase verarbeitet und integriert werden können.

Hans Taeger, Astroenergetik, Knaur 1989, S. 220

SonneZwilling2017Denn dieses Schwanken und diese Schwankungen erklären sich ja ebenfalls aus der dynamischen Abfolge des Bilderkreises. Das zentrierte Fokussieren des Stiers, dass die wilde Sprunghaftigkeit der marsischen Energien einfangen und zähmen wollte, aber gleichzeitig auch Entwicklung einschränkte, muss weitergeführt werden, kann jetzt aber noch nicht völlig aufgelöst werden.

Aber überall dort wo es ein Zentrum, einen Mittelpunkt gibt, um das sich alles dreht und auf das sich alles bezieht, entsteht gleichzeitig ein zweites Zentrum, meist unsichtbar und trotzdem wirkungsvoll. Es ist der natürliche Gegenpart, das Wellental zum Wellenberg jeder Schwingung.

Das Eine ist nicht ohne das Andere zu haben, das genau ist eine der Botschaften der Zwillingsphase und somit eine der Möglichkeiten, sich mit sich selbst und den eigenen Widersprüchen einmal anders auseinander zu setzen. Denn ohne die beiden Säulen der Gegensätzlichkeit, die sich schon im Symbol des Zeichens zeigen, wäre auch der Raum zwischen ihnen nicht wahrnehmbar und sichtbar.

Es beginnt die vielfältige Bewegung und Verzweigung in den Raum, die nüchterne und neutrale Ausschöpfung und Kennzeichnung der Umwelt, die Regelung seiner Ausübung. Diese Orientierung im Raum wird zum Selbstverständnis des Verhaltens. Von diesem Außeninteresse, der notwendigen Vielseitigkeit, der sachgemäßen und fast mechanischen Erfassung hängt das Sicherheitsgefühl des Zwillings ab.

Wolfgang Döbereiner, Der Wandel des Lebens im Tierkreis, Verlag Döbereiner 2006, S. 36

Womit wir wieder am Anfang dieses Artikels wären oder besser - bei der Entdeckung des Raumes. Denn all das hier Zitierte entspricht einer Seite der aktuellen Sonnenphase ganz wunderbar, auch und gerade weil es über Sprache und Analogien ausgedrückt wurde. Gleichzeitig liegt aber auch im unmittelbaren Erleben dieser energetischen Zeitphase die Chance auf ein umfassendes und tiefgreifendes Verständnis, jenseits von Begriffen und Erklärungen. Dieses Erleben kann sehr vielfältig, bunt und unterschiedlich sein, entsprechend der Natur derjenigen, die sich darauf einlassen. Und trotzdem wird es in all dieser Unterschiedlichkeit eben auch gemeinsame Orientierungspunkte geben, über die man sich austauschen kann. Das genau vermittelt sich über das Bild der Zwillinge. In diesem Sinne - viel Erfolg und Freude beim Suchen und Versuchen…

Titelbild: By Artshooter [CC BY-SA 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons

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Dienstag, 26. Mai 2020

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