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Ratgeber für Ratsuchende (2): Fragen

Im zweiten Teil dieses Ratgebers geht es hauptsächlich um Fragen, die im Zusammenhang mit dem System der Astrologie häufig auftauchen. Um es ein wenig effektiver und kurzweiliger zu gestalten, wird dieser Teil im Stile einer FAQ (englisch: frequently asked questions - also häufige Fragen) angelegt sein. Das Ganze erhebt auch nicht den Anspruch auf Vollständigkeit, es ist lediglich als erster Ansatz gedacht, als Grundlage für einen weiteren Ausbau. Anregungen dazu sind also herzlichst willkommen.

Frage 1 – Ist Astrologie eine seriöse Naturwissenschaft?

Nein, zumindest ist sie keine anerkannte Naturwissenschaft und kann deshalb auch in diesem Sinne nicht seriös sein. Es gab in der Geschichte durchaus Zeiten, in denen Astrologie als Wissenschaft auch an Universitäten gelehrt wurde (der letzte Lehrstuhl für Astrologie in Deutschland wurde 1817 an der Universität Würzburg geschlossen), und auch heute gibt es wieder erste Ansätze dies fortzuführen (LINK1, LINK2).  Um als Naturwissenschaft anerkannt zu werden, fehlen nach Ansicht der meisten Kritiker bestimmte Voraussetzungen.

Zum einen gibt es bis heute keine These, die erklärt, warum, weshalb und in welcher Weise Astrologie „funktionieren“ würde. Das Wort „funktionieren“ spielt hier tatsächlich eine große Rolle, denn die klassischen Naturwissenschaften gehen davon aus, dass es eine messbare Wirkung zB der Planeten auf den Menschen geben müsste, damit aus einem Horoskop überhaupt sinnvolle Deutungen ablesbar wären. Selbst wenn es aber solch eine These geben würde, müsste sie anhand vieler wissenschaftlicher Untersuchungen überprüft werden. Als Beweis würde zum Beispiel gelten, wenn eine bestimmte Konstellation (zB Sonne auf 16° Widder) immer (!) zu den selben sicht- und messbaren Auswirkungen führen würde.

Dies alles bezieht sich aber nur auf eine Diskussion darüber, ob Astrologie eine Naturwissenschaft ist oder nicht. Welche Alternative es gäbe, erklärt die Antwort auf Frage fünf.

Frage 2 – Ist Astrologie dann also nur Unsinn?

Wiederum Nein. Denn wenn man die Argumente der Kritiker gewissenhaft analysiert, stellt man schnell fest, dass diese meist sehr oberflächlich sind. Zum einen wird immer wieder behauptet, dass Astrologie Unsinn sein muss, da es ja keine nachgewiesenen Wirkungen von Himmelskörpern auf den Menschen gäbe.

Dass dies selbst eine unsinnige Behauptung ist, zeigen sowohl die Wirkungen der Sonnenaktivität sowie die Wirkung des Mondes. Erstere besteht hauptsächlich im Bereich des Elektro-Magnetismus, letzte im Bereich der Gravitation. Beide Himmelskörper sind für das Leben auf der Erde essentiell, ohne sie (respektive ihre Auswirkungen) gäbe es Leben, wie wir es kennen, nicht. Diese Wirkungen sind messbar, wiederholbar, ganze Wissenschaftszweige beschäftigen sich damit.

Darauf angesprochen, weichen Kritiker meist schnell auf die anderen Planeten aus, deren Wirkung (in Bezug auf die beiden oben genannten Kräfte) ja kaum messbar wäre.

Auch hier scheint es große Wissenslücken zu geben. Mittlerweile gibt es mehrere ernsthafte wissenschaftliche Abhandlungen, die aufzeigen, dass alle größeren Himmelskörper in unserem Sonnensystem einen Einfluss auf die Aktivität der Sonne selbst haben könnten. Dies zeigt sich auch daran, dass die Planeten eben nicht um das Zentrum der Sonne kreisen, sondern alle Körper (inklusive der Sonne) um das Bary-Zentrum des Sonnensystems wandern. Dessen Lage verändert sich analog zu den Bewegungen der Planeten, wobei die Grösseren natürlich auch einen großen Einfluss haben.

Zudem stimmen manche Perioden der Sonnenaktivität erstaunlich genau mit der Umlaufzeit von Jupiter überein. Wenn man nun weiß, dass die Abstände der Planeten zur Sonne innerhalb bestimmter Resonanzen liegen, dann lässt sich dieses Prinzip auch auf andere Zyklen übertragen (zum Beispiel wiederkehrende Konjunktionen von Planeten etc.) Weiterhin wird auch immer deutlicher, welchen Einfluss die Sonnenaktivität auf unser irdisches Klima (sprich das Wetter) hat, wenn gleich auch hier die entsprechende Forschung noch am Anfang steht. Viele dieser Ansätze wurden bereits vor vielen Jahren von Theodor Landscheidt in seinem Buch „Astrologie – eine Wissenschaft?“ veröffentlicht, wer mehr darüber lesen möchte, hier der Link zu Amazon (Link).

Dies jedoch alles kategorisch auszuklammern und weiterhin zu behaupten, Astrologie könne gar nicht funktionieren, da die zur Deutung benutzten Planeten und Himmelskörper keine messbare Wirkung auf uns Menschen haben, zeugt von einem gewissen Fatalismus seitens bestimmter Kritiker nach dem Motto „es kann nicht sein, was nicht sein darf“.

Aber um Missverständnissen vorzubeugen – das Auftreten der genannten Einflüsse sagt noch nichts darüber aus, ob die Interpretationen der Astrologie (welche menschlichen Eigenschaften sie im Zusammenhang mit bestimmten Planetenstellungen benennt) richtig sind.

Frage 3 – Aber es gibt doch schon viele Studien, die beweisen, dass die astrologischen Aussagen allesamt falsch sind, was hat es mit denen auf sich?

Hier muss man als erstes die Frage stellen, um welche Art von Studien es sich handelt, wer sie in Auftrag gegeben hat, von wem sie durchgeführt wurden und welche Aussagen überhaupt überprüft werden sollten.

Der häufigste Versuchsaufbau sieht in etwa folgendes vor: eine gewisse Anzahl von Astrologen soll anhand von vorliegenden Horoskopen, den Horoskopeignern bestimmte Charaktereigenschaften zu weisen. Diese Angaben werden dann von den Horoskopeignern als richtig oder falsch beurteilt. Alleine das zeigt schnell, dass es sich hier nicht um einen wissenschaftlichen Versuchsaufbau handelt, der das Prinzip der Astrologie und seine Gültigkeit überprüft, sondern die Fähigkeit bestimmter Menschen Aussagen über andere Menschen zu machen. So wie deren Fähigkeit, sich selbst objektiv zu beurteilen.

Im Zusammenhang damit stellen sich verschiedene Fragen.

a) Durch welche Qualifikationen wurde sicher gestellt, das es sich dabei um versierte Astrologen handelt, die auf eine jahrzehntelange Praxis zurück blicken konnten? Welche Kriterien wurden dabei angewendet, um aus zu schließen, dass es sich bei den „Astrologen“ um Menschen handelte, die nur vorgaben, astrologisches Wissen zu besitzen?

Um das zu überprüfen, müssten in einer Prüfungs-Kommision vor dem Beginn einer solchen Untersuchung eben auch Menschen sitzen, die umfangreiche Kenntnisse über den astrologischen Hintergrund besitzen. Also Astrologen, die zumindest über langjährige Erfahrung verfügen. Wie sonst sollte man die „Spreu vom Weizen“ trennen können?
Mir ist kein einziger Fall bekannt, in dem diese Voraussetzung erfüllt wurde.

b) Auf welche astrologischen Techniken stützten sich die Aussagen dieser Astrologen? Wurden diese ebenfalls immer benannt und den Antworten beigefügt, um am Ende sehen zu können, ob alle dieselben Methoden benutzten?

Denn würden die Astrologen unterschiedliche Methoden und Ableitungen benutzen (und davon ist eigentlich auszugehen), würden „richtige“ und „falsche“ Methoden zusammen in das Endergebnis einfließen. Die „richtigen“ Ansätze, mitsamt den entsprechenden Ergebnissen, würden dabei aber mehr oder weniger statistisch „untergehen“.
Würde man dies sorgfältig trennen (wie es bei wissenschaftlichen Versuchen üblich ist), könnte es also durchaus sein, dass sich auch in diesen Versuchen gezeigt hätte, dass einige Methoden eine hochsignifikante Trefferquote hatten, andere dagegen keine. Diejenigen Methoden mit überdurchschnittlicher Trefferquote wären dann Gegenstand weiterer Untersuchungen geworden.

c) Wie hat man gewährleistet, dass die Horoskopeigner auch über eine realistische Selbsteinschätzung verfügen? Sich also selbst objektiv beurteilen konnten, auch in Bereichen, die eher unangenehm waren, weil hier negative Eigenschaften angesprochen wurden. Wurden zuvor psychologische Gutachten eingeholt, anhand derer man die Aussagen der Astrologen ebenfalls überprüft hat? Meines Wissens nach ist dies in keinem Fall geschehen.

Fazit: Diese Form der immer wieder gern genannten Studien entpuppt sich bei näherem Hinsehen als höchst unwissenschaftlich. Vor allem bewertet sie nur das Leistungsvermögen bestimmter Astrologen oder die Fähigkeit der Selbsteinschätzung ihrer „Versuchsklienten“, über das System der Astrologie kann sie keinerlei verbindliche Aussagen machen.

Es gäbe aber andere Wege, die grundlegende Gültigkeit des astrologischen Modells zu überprüfen. Dazu müsste man lediglich das Auftreten bestimmter Ereignisse vor dem astrologischen Hintergrund über längere Zeiträume festhalten und anschließend statistisch auswerten. Wenn dabei auch die Feinheiten des Systems beachtet werden würden, würde sich schnell zeigen, dass es in vielen Bereichen hochsignifikante Übereinstimmungen, zwischen dem Auftreten von Ereignissen oder dem Verhalten von Menschen und dem astronomischen Hintergrund gibt.

Einzelne Astrologen haben in der Regel weder die Mittel noch die Zeit, solche umfassenden Untersuchungen durchzuführen. Die Frage bleibt, warum die Kritiker, die Astrologie so gerne als Unsinn bewiesen sehen würden, solche Untersuchungen (unter Einbeziehung von anerkannten Astrologen) nicht schon lange durchgeführt haben. Untersuchungen, die wissenschaftlichen Standards entsprechen und eben das System auf den Prüfstand stellen und nicht die Fähigkeit einzelner, astrologische Daten sinnvoll zu interpretieren. Und stattdessen Zeit und Energie in Tests investieren, die keinerlei relevante Aussagen über das System der Astrologie machen können.

Solange dies nicht geschieht, gibt es auch keinen Beweis dafür, dass das astrologische System Unsinn ist und nur auf Aberglauben und Selbsttäuschung beruht. Stattdessen vertreten Kritiker und Befürworter eben nur unterschiedliche Meinungen, die auch nur als solche zu bewerten sind.

Frage 4 – Aber man liest doch immer wieder, dass bekannte Astrologen Aussagen über die Zukunft machen, die dann allesamt nicht eintreten? Ist das nicht ein Beweis dafür, dass Astrologie Unsinn ist?

Auch hier wieder ein klares NEIN. Es ist vielmehr ein Beweis dafür, dass manche bekannte Astrologen unsinnige Aussagen machen. Wobei der Begriff bekannt ja keineswegs bedeutet, dass diese Menschen auch entsprechend astrologisch gebildet oder ausgebildet wären (siehe Argument bei Frage drei). Um innerhalb eines Systems vernünftig und hilfreich arbeiten zu können, ist es immer nötig auch die Grenzen dieses Systems oder der eigenen Fähigkeiten zu kennen. Wenn also Menschen immer wieder solche Aussagen machen, selbst wenn sich fast jedes Mal zeigt, dass sie damit falsch liegen, dann kann man hier allenfalls von einem menschlichen Problem sprechen. Denn offensichtlich sind diese Menschen nicht in der Lage aus Fehlern zu lernen, sondern beharren stur auf einer Fähigkeit, die sie nicht haben. Das sagt viel über sie aus, aber eben nichts zwingendes über das System der Astrologie.

Die meisten, ernsthaften Astrologen sprechen im Zusammenhang mit der Zukunft immer und ausschließlich von Wahrscheinlichkeiten. In dem Sinne, wie dies auch andere, wissenschaftliche Zukunftsforscher tun. Aus dem häufigen Auftreten bestimmter Ereignisse kann man selbstverständlich schließen, dass diese Ereignisse unter ähnlichen Voraussetzungen auch in der Zukunft auftreten werden. Allerdings  – selbst wenn sich bestimmte Konstellationen von Zeit zu Zeit wiederholen, tun sie das fast ausschließlich vor komplett anderen Hintergründen. Astrologisch gesehen stellt die Zukunft (respektive zukünftige Konstellationen) immer etwas Neues dar, das in dieser Form (mitsamt allen Einzelheiten) noch nie zu beobachten war. Man kann einzelne Faktoren herausgreifen und eine Prognose drauf aufbauen. Wenn man allerdings nicht beachtet, dass im astrologischen System selbst kleine Unterschiede zu großen unterschiedlichen Auswirkungen führen, dann muss man zwangsweise mit einer Prognose falsch liegen.

Frage 5: Gibt es denn überhaupt zeitgemäße Ansätze, die zumindest in Aussicht stellen, dass Astrologie eines Tages wieder als Wissenschaft anerkannt wird?

Ja, denn das System der Astrologie erfüllt viele Voraussetzungen, die mittelfristig zumindest ihre Anerkennung als Geisteswissenschaft in Aussicht stellen. Im Prinzip beobachtet sie ja nichts anderes, als das Verhalten von Menschen unter bestimmten Bedingungen. Dass diese Bedingungen sich jetzt auf einen „kosmischen“ Hintergrund beziehen, ist im Prinzip kein Ausschlusskriterium, solange diese Beobachtungen methodisch aufgebaut sind und nicht willkürlich ausgelegt werden.

Aber auch hier bedarf es einer Erklärung, was denn Astrologie nun genau beobachtet, im Gegensatz oder in Ergänzung zu den schon existierenden Geisteswissenschaften. Beschreibt sie das äußerliche Verhalten von Menschen, also vorrangig körperliche Reaktionen? Dann müsste sie sich wieder bestimmten Anforderungen der Naturwissenschaften stellen, um anerkannt zu werden.

Oder beschreibt sie, ähnlich wie die Psychologie, „geistige“ Faktoren, die in diesem Sinne nicht messbar und erklärbar sind? Falls ja, beschreibt sie dann auch Hintergründe, die nicht im psychologischen Modell enthalten sind?

Aus meiner Sicht tut sie das und in diesem Zusammenhang könnte das Prinzip der Zeit und unser individueller Zeitsinn eine immer größere Bedeutung bekommen. Denn Zeit ist nach wie vor ein Mysterium, sowohl für die Natur- wie auch für die Geisteswissenschaften. Die Naturwissenschaften können bis heute nicht erklären, warum physikalische Vorgänge und Ereignisse in unserer Erfahrung von Leben und Welt nicht umkehrbar sind, also sich immer nur von der erlebten Gegenwart in Richtung Zukunft entwickeln und niemals in Richtung Vergangenheit. Theoretisch müsste aus der Sicht der Naturwissenschaften der Zeitfluss auch umkehrbar sein, praktisch gibt es aber keinerlei Hinweise darauf, dass ein Mensch dies jemals erlebt hat.

Daraus resultiert die Annahme, dass Zeit ein Phänomen ist, ja eigentlich eine Illusion, die wir als Individuen zumindest in großen Teilen „selbst“ erschaffen. Hier bietet das astrologische Modell vielleicht in Zukunft einen Zugang an, der diesen Zeitsinn (als eine Art ordnendes Prinzip, dessen individuelle Eigenheit auch Auswirkungen auf unser Verhalten und Erleben hat) deutlicher und umfassender beschreibt, als dies mit den Mitteln anderer Wissenschaften möglich ist.

Frage 6: Was kann ich dann von einer astrologischen Beratung erwarten, wo liegen die Möglichkeiten und die Grenzen?

Das zu beantworten, wird Aufgabe des dritten Teils dieses Ratgebers sein.

Zu den anderen Teilen dieses Ratgebers: 
Ratgeber für Ratsuchende (1): Untiefen
Ratgeber für Ratsuchende (3): Horizonte

Titelbild (Loop-Collage): Archimedes – by Gideon Wright via Flickr (CCby2.0); Proteine: Jkgiesler (Own work) [CC-BY-SA-3.0 ( http:// creativecommons.org /licenses/ by-sa/ 3.0)], via Wikimedia Commons; andere Bilder: Mond und Schwäne – shutterbusapis; IMG0091 – gideon wright; woodensculpture –epsos.de; sciencelab – mike; doggyhoroscope - djg0333 (alle via Flickr und Creative Commons 2.0)

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