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Gutmensch - das Unwort des Jahres

Edel sei der Mensch, hilfreich und gut,
denn das allein unterscheidet ihn
Von allen Wesen die wir kennen.

Das Göttliche, Johann Wolfgang von Goethe

Nun ist es also amtlich – Gutmensch heisst das Unwort des Jahres. Kaum zu glauben – aber es scheint tatsächlich Zeiten gegeben zu haben, in der Eigenschaften wie jungfräuliche Hilfsbereitschaft und neptunische Nächstenliebe als zutiefst menschlich und ehrenwert betrachtet wurden. Warum? Weil es bekanntermaßen viel einfacher ist, nur auf sich selbst und die eigenen Bedürfnisse und Wünsche zu schauen, als sich für andere einzusetzen. Vor allem wenn man sich womöglich selbst auch noch einschränken muss. Oder die eigenen Ängste überwinden.

Denn die jupiterhafte Fülle ist ja nun mal saturnal begrenzt. Da helfen auch keine flotten Werbesprüche wie „Nichts ist unmöglich“,  auch Autos dieser Marke werden vom Zahn der Zeit ausgerostet und sind demnach vergänglich. Wer also mit anderen teilt, was er hat, sei es Materielles, Ideelles oder einfach nur die eigene Zeit und den eigenen Raum, gibt immer etwas auf. Geht ein zusätzliches Risiko ein, verlässt den Pfad und das Credo der Evolution, wonach nur die Stärksten ein Recht aufs Überleben haben.

Der Lohn dafür besteht meist „nur“ darin, dem eigenen Leben eine spezielle Sinnhaftigkeit zu geben, die durch kaum etwas anderes auch nur annähernd zu erreichen ist. Als eben durch diese edle Haltung des Helfens.

Heute sollte man aber statt dem Wort „helfen“ wohl besser die Begriffe des „sich kümmern“ und des „sich sorgen“ benutzen (beides kann man durchaus auch dem Zeichen Jungfrau zuordnen), wenn man schon darauf besteht, weiterhin einer von den Guten sein zu wollen.

Ein Gutmensch also in den Augen derjenigen, die diesen Begriff als verächtliches Schimpfwort benutzen, um all das zu denunzieren, was die Dichter und Denker unseres Landes vormals als Ausdruck der Menschlichkeit bezeichneten.

Aber auch sie kümmern sich ja. Und sorgen sich.

Meist zwar nur um sich selbst, und diejenigen, die sie als zu sich selbst zugehörig empfinden, also um ihr erweitertes Ego. Die eigene Familie, das eigene Land, das eigene Volk. Aber da geht es meist schon los mit den Problemen. Denn zum eigenen Volk gehören dummerweise immer auch diese Gutmenschen, diese naiven Romantiker, die immer noch glauben, dass man mit dem entsprechenden Engagement, getragen von Liebe und Weisheit, die Welt zu einem besseren Ort machen können.

Nun hat eine Jury den Begriff des Gutmenschen zum Unwort des Jahres 2015 erklärt. Endlich auf Platz Eins gelandet, möchte man da sagen, denn schon 2011 war das Un-Wort in aller Munde, belegte da aber nur den zweiten Platz. Der Sieger hieß damals „Döner-Morde“.

Ein seltsamer Zufall, wie so vieles andere. Denn entgegen der landläufigen Meinung, dass dieser Begriff zu allererst von den Nazis gebraucht wurde, findet er sich schon 1859 in dem Buch „Briefe an eine Jungfrau über die Hauptgegenstände der Ästhetik“ des Pädagogen Hans-Christian Öser.

„Wird nicht ein solch unberatener Gutmensch für seine unbedingte Menschenliebe verlacht, für einen Toren von der ganzen Welt gehalten werden und ein Opfer seiner Schwäche sein?“

Ein Blick ins Radix des Schöpfers zeigt Merkur auf 11° in den Zwillingen, sein gedankliches Gut wird also gerade jetzt von Saturn und Neptun in die Mangel genommen bzw. taucht in Zusammenhängen auf, von denen Öser nichts ahnen konnte.

Natürlich haben auch Hitler und Co. nichts lieber getan, als über diejenigen herzuziehen, die damals Verständnis für Juden und andere „undeutsche“ Bevölkerungsgruppen hatten. Denn solange es noch solche „guten Menschen“ gab, solange war das Endziel, eine arische Welt frei von allen anderen kulturellen Einflüssen und Einwohnern, gefährdet. Die mussten also entweder davon überzeugt werden, dass sie komplett falsch liegen, oder sie mussten zusammen mit denen, für die sie so viel Verständnis hatten, verschwinden. Wohin – das weiß man heute.

Damals aber war der größte Teil der Bevölkerung überzeugt davon, dass hier nur im Namen der Sicherheit des eigenen Volkes gehandelt wurde. Erweiterter Heimatschutz sozusagen, vorbeugende Maßnahmen um Schlimmeres zu verhindern. Und an dieser mitleidlosen Seele sollte dann die ganze Welt gesunden.

Ich für meinen Teil lebe gerne und genüsslich in einer Welt, in der sich die wahren guten Menschen auch weiterhin dem Lernprozess stellen, der unweigerlich mit solch einer Haltung verbunden ist. Denn wer immer versucht, die Welt zu einem besseren Ort zu machen, und dabei auch die Bedürfnisse und Wünsche seiner Mitmenschen berücksichtigt, wird unweigerlich mit den eigenen Unzulänglichkeiten konfrontiert.  Aus dieser Erfahrung des Scheiterns entsteht dann auch vermehrt Verständnis und Mitgefühl mit all denen, die ebenfalls auf die eine oder andere Weise zu den „Verlierern im großen Spiel des Lebens“ gehören.

So gesehen sind all diese "Gutmenschen" weitaus näher am wirklichen Leben und mehr verwurzelt in einer saturnal-endlichen Realität, als diejenigen, die naiverweise immer noch von einem elitären Paradies träumen, dass nur den eigenen Vorstellungen und Wünschen gerecht wird.

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