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Ein anderes Modell des Kosmos

Ein Interview mit John Frawley.

Zum 60. Geburtstag noch einmal das Gespräch, das wir 2012 führten: John Frawley ist ein Phänomen. In seiner Wahlheimat England überzeugte er das halbe Königreich durch seine sehr genauen Vorhersagen von wichtigen Fussball-Spielen. Er bekam eine eigene kleine Fernsehshow (Frawley and the Fish) und verstand es wunderbar, über dieses Medium sein eigentliches Anliegen, "The Real Astrology", einem breiten Publikum nahe zu bringen. Seine Bücher gelten heute schon als Klassiker und wir waren sehr erfreut, daß er unsere Anfrage bezüglich eines Interviews, sehr schnell, sehr freundlich und umfassend beantwortet hat.

Loop!: Wie bist du zur Astrologie gekommen? Was waren deine ersten Eindrücke, was hat dazu geführt, daß du dabei geblieben bist?

John Frawley: Mich hat die Astrologie schon interessiert, als ich noch sehr jung war. Ich fand die Art und Weise, wie sie die Welt durch das System der Planetenherrscher unterteilt, faszinierend. Zum Beispiel haben Schokolade, Rosen und Ballett-Tänzer etwas gemeinsam, weil sie alle von Venus beherrscht werden. Das war ein anderes Modell des Kosmos als das, was mir in der Schule beigebracht wurde. Dieses Modell in all seinen Verzweigungen und Beziehungen zu erforschen, treibt mich bis heute an.

Loop!:  Wie bist du auf die Verbindung zwischen Sportereignissen und Astrologie gekommen? Was waren die ersten Schritte und Versuche, was war dein Ansatz?

John Frawley: Ich hatte bis dahin Stundenhoroskope benutzt, um Sportergebnisse vorherzusagen. Aber diese Technik hat ihre Grenzen, weil sie ein echtes Interesse, dass eine Mannschaft gewinnt, voraussetzt. Sie ist okay, wenn Sie Fan einer Mannschaft sind, ansonsten ist sie ziemlich nutzlos. Die Rätselaufgabe besteht darin eine Methode zu finden, die auch dann noch funktioniert, wenn es Ihnen egal ist, wer gewinnt.

Loop!:  Hat sich durch diese Arbeit dein Verständnis von Astrologie verändert, und wenn ja wie?

John Frawley: Ich denke, sie hat mir geholfen, die Beziehung zwischen der Astrologie und dem Leben besser zu verstehen, wie es jedes längere Studium von überprüfbarer Astrologie tun würde. Zum Beispiel könnte man leicht glauben, dass, wenn ich Sportler bin und das heutige Spiel gewinne, etwas absolut Außergewöhnliches in meinem Horoskop zu sehen sein sollte. Aber so läuft das nicht. Egal wie begeistert ein Fan sein könnte, wenn ich heute gewänne: Für mich als Sportler ist das heutige Spiel nur ein „weiterer Tag im Büro“. Wir würden auch nicht spektakuläre astrologische Ereignisse erwarten, wenn ein Autoverkäufer ein Auto verkauft. Genauso wenig sollten wir das tun, wenn Podolski wieder mal ein Tor schießt.

Loop!:  In deinem Buch beschreibst die Möglichkeiten dieser Arbeit sehr ausführlich. Kannst du die wichtigsten Punkte und Regeln kurz und knapp beschreiben?

John Frawley: Die wichtigsten Punkte bei der Vorhersage mittels des für den Spielbeginn erstellten Horoskops, sind die Stellungen der Planeten, die über das erste und zehnte Haus sowie über das siebte und vierte Haus herrschen. Sie stehen für die Favoriten bzw. die Außenseiter. Auch die Platzierung des Glückspunkts und das Fortschreiten des Mondes durch seine nächsten fünf Grade sind wichtig.
Steht zum Beispiel einer dieser Häuserherrscher gerade innerhalb der Spitze seines eigenen Hauses, ist das ein starkes Zeugnis zugunsten der entsprechenden Mannschaft; steht er dagegen unmittelbar innerhalb des Hauses des Gegners, ist das natürlich ein starkes Zeugnis für diesen. Aspektiert der Mond den einen oder anderen dieser Planeten, bedeutet das in der Regel den Sieg für die jeweilige Mannschaft. Aber es gibt natürlich noch ein bisschen mehr zu beachten als diese kurzen Stichpunkte.

Loop!:  Dein Buch erschien 2007. Im Vorwort schreibst du, dass du dir wünscht, daß andere deine Grundideen aufnehmen und weiter entwickeln? In welcher Form könntest du dir das vorstellen? Und gab es mittlerweile solche Ansätze?

John Frawley: Das System zur Vorhersage aus Ereignishoroskopen funktioniert bestens bei sehr wichtigen Spielen, wie zum Beispiel dem Finale eines Wettbewerbs. Für die Vorhersage von normalen Liga-Spielen ist es jedoch nutzlos. Tatsächlich kommen die meisten Beschwerden, die behaupten: „Das System funktioniert nicht“, von Menschen, die versuchen, das System auf Situationen wie diese anzuwenden, von denen ich ausdrücklich gesagt habe, dass es dann nicht funktionieren wird. Ich bin aber sicher, dass es eine Art Mikro-Astrologie geben muss, die uns in die Lage versetzten würde, den Ausgang auch solcher Spiele vorherzusagen. Das perfekte Forschungsgebiet für jemanden, der ein bisschen mehr Jungfrau-Anteile in seiner Natur hat als ich.

Loop!:  Wird es einen zweiten Band mit Erweiterungen und Erläuterungen geben? Oder ist für dich dieses Kapitel abgeschlossen?

John Frawley: Von mir nicht. Ich habe die „Sportastrologie“ auch geschrieben, um einen Schlussstrich unter das Studium dieses Gebiets zu ziehen, damit ich weitergehen kann. Aber ich wäre sehr erfreut, wenn jemand, darauf aufbauend, weitermachte.

Loop!: In deinem Buch zeichnest du eine Situation, in der vieles an östliche Kulturen und Denkensweisen erinnert (das schlecht gelaunte Yak..). Hat dich die östliche Kultur in deiner Sicht- und Arbeitsweise beeinflusst?

John Frawley: Sehr wenig, wenn man von der üblichen Zen-Literatur absieht, die eine Art Pflichtlektüre war, als ich heranwuchs. Ich habe wenig Sympathie für die verbreitete Überzeugung, dass Spiritualität nur im geheimnisvollen Osten existiert.

Loop!: Wenn Ereignisse wie Fußballspiele so genau zu prognostizieren sind, wie du es in den vergangenen Jahren immer wieder bewiesen hast, wäre das nicht auch eine Möglichkeit, die Wirksamkeit und Funktionalität des astrologischen Modells in einer wissenschaftlichen Studie zu beweisen?

John Frawley: Wenn jemand so was machen möchte – und es fällt mir schwer zu erkennen, warum man das machen sollte –, wäre dies sicher eines der besseren Felder, mit dem man anfangen könnte, da es relativ wenig Variablen gibt. Die Deutung eines solchen Horoskops ist weit weniger komplex als, sagen wir, die Deutung eines Geburtshoroskops.

Loop!:  Glaubst du das Ereignisse, die aus unserer Sicht in der Zukunft liegen, durch astrologische Methoden immer genau beschrieben werden können? Also auch in welcher Form, wann genau etc. sie sich zeigen werden? Oder gibt es einen Spielraum, der durch freien Willen und anderes entsteht, der nicht vorgesehen werden kann?

John Frawley: Die Annahme eines freien Willens ist ein Stolperstein. Denn er wird stets so verstanden, als ob der Moment, in dem wir unseren freien Willen anwenden, ein Moment irgendwie außerhalb unseres restlichen Lebens wäre. So ähnlich wie Archimedes, der behauptet hat, er könnte die Erde mit einem Hebel bewegen – wenn er nur irgendwo außerhalb von ihr stehen könnte, um diesen anzusetzen. Das ist nicht der freie Wille. Dass er „frei“ ist, heißt nicht, dass er nicht vorhersagbar ist.
Astrologie arbeitet nicht im Abstrakten. Was wir uns anschauen, wenn wir Vorhersagen machen, ist der Berührungspunkt zwischen der Astrologie und dem Leben. Die Fähigkeit zur genauen Vorhersage wird also nicht nur durch die Defizite in unserem astrologischen Wissen begrenzt, sondern auch durch unser begrenztes Wissen über das Leben selbst. Das Horoskop mag klar zeigen, dass dieser Kerl von einem Löwen gefressen werden wird. Aber wenn er uns nicht gesagt hat, dass er als Löwenbändiger arbeitet, wird es sehr schwer für uns das vorherzusagen.

Loop!:  Du hast unzählige Beratungen in deiner Praxis gemacht. Was macht eine gute Beratung für dich aus?

John Frawley: Man hofft, dass man so jemand ist! Ich nehme an, das Wichtigste ist, in der Beratung den „richtigen Ton“ für diese spezielle Person zu finden. Sie in der richtigen Tonart zu spielen sozusagen. Trifft man die nicht, ist es ziemlich egal, was man sagt: Es wird eine schlechte Beratung.

Loop!:  Wenn du die 3 wichtigsten Grundlagen für astrologische Arbeit kurz und knapp benennen müsstest, wie lauten sie dann?

John Frawley: Zum einen die Fähigkeit logisch zu denken, denn eine astrologische Deutung arbeitet mehr wie Sherlock Holmes, als dass man mit wilden Augen im Äther herumstochert. Zweitens die Einsicht, dass das Leben eine vielschichtige Angelegenheit ist, denn die Erfahrungen, die jemand im Leben macht, sind nicht notwendigerweise in den Grenzen meines eigenen Lebens enthalten.
Und dann vor allem etwas Bewusstsein über die grundlegende Geografie der menschlichen Existenz. Denn, wie Abraham Ibn Ezra sein Lehrbuch beginnt, “der Weisheit Anfang ist die Furcht vor dem Herrn“. Das gibt uns das allgemeine „Sie befinden sich hier“, ohne das wir die Karte unmöglich verstehen könnten.

Loop!:  Wir leben in einer Zeit, in der die klassischen Wissenschaften enorme  Veränderungen durchlaufen haben. Sollte sich das astrologische Model nicht ähnlich entwickeln? Gibt es aus deiner Sicht neue Ansätze, die das astrologische System genau so revolutionieren könnten, wie zB die Quantenphysik sich auf die klassische Physik ausgewirkt hat?

John Frawley: Ich bin absolut für neue Ansätze. Die Astrologie muss sich ständig neu erfinden, damit sie in der Welt, in der sie existiert, aktuell bleibt. Das Wichtige ist – wie in jeder echten Tradition –, dass dieses sich Neuerfinden aus dem erwachsen muss, was vorausgegangen ist, dass es nicht von außen übergestülpt wird. Nicht von denen, die nicht verstanden haben, worauf sich Astrologie gründet.

Loop!: Vielen Dank für dieses interessante Interview.

 

Links: John Frawleys neue Website, John Frawley.com; Bücher bei Amazon; Bücher beim Skandro-Verlag; John Frawley Fanpage bei Facebook

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