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Dear Baby Cambridge

Jetzt bist du also mit uns anderen knapp sieben Milliarden Menschen auf diesem schönen blauen Planeten gestrandet, hast noch keinen Namen, aber dafür schon jede Menge Aufmerksamkeit. Und ein Horoskop. Ja, kaum zu glauben, es gibt noch kein offizielles Foto von dir, außer den engsten Verwandten (was immer das bei Royals heißen mag), hat dich noch niemand gesehen, aber die halbe (Astrologen-) Welt fängt schon an darüber zu spekulieren, wer, was und wie du bist, sein könntest, sein wirst.

Deswegen gleich vorne weg – von uns hast du diesbezüglich erst mal nichts zu befürchten. Ausgerechnet von uns nicht? Die wir jeden Tag das Weltgeschehen kommentieren, selbst kleine und große Katastrophen im Spiegel der planetaren Symbolik analysieren, und uns auch mit Freuden auf politische Entscheidungsträger stürzen, wenn sie wieder mal ihre persönlichen Befindlichkeiten nicht von ihrer Verantwortung anderen gegenüber trennen können?

Yes, your Royal Highness, denn was man über dich und deine Anlagen aus astrologischer Sicht im Moment auch immer aussagen würde, es wäre eine ethische Grenzüberschreitung. Weder wurden wir von dir oder deinen Eltern um eine solche Aussage gebeten, noch gibt es ein berechtigtes, öffentliches Interesse, schon jetzt etwas über deine energetischen Hintergründe zu erfahren. Natürlich könnten wir deinem Skorpion-AC („kuckt öfters mal grimmig“) und deinem Steinbock-Mond („spielt am liebsten mit Bauklötzchen aus Holz“) die üblichen Verhaltensmuster zuschreiben, könnten dir über Direktionen und Auslösungen prophezeien, was dich alles zu welcher Zeit in deinem Leben erwartet. Rein theoretisch wäre das möglich und auch, was den „technischen“ Hintergrund angeht, nicht völlig aus der Luft gegriffen. Denn Astrologie arbeitet nun mal mit Sinnbildern und Archetypen, die sich tatsächlich auf das wirkliche Leben übertragen lassen und gerade am Anfang eines solchen oft überdeutlich zum Vorschein kommen. Aber bezogen auf ein ganzes Leben sind das eben nur Möglichkeiten innerhalb anderer Möglichkeiten, die vor allem eines nicht vorhersagen können: Wie du dich später, als bewusster Mensch in einzelnen Situationen entscheiden wirst.

 

Die Arbeit mit den astrologischen Symbolen ähnelt ja manchmal dem Versuch, jemandem, der demnächst in ein fremdes Land reisen möchte, vorab schon mal ein paar Bilder von diesem Land zu zeigen. Von den verschiedenen Gegenden, die es dort gibt, der Vegetation, den Sehenswürdigkeiten. Wir können die klimatischen Bedingungen beschreiben und etwas über die Menschen erzählen, die dort zuhause sind.

Was aber kein Astrologe zu diesem Zeitpunkt „vorher sehen“ kann, ist – was genau du später in diesem Land tun wirst. Denn wenn du erst mal „in eigener Sache“ unterwegs bist, kannst du dich in jedem Moment frei entscheiden, ob du nach links oder rechts gehen willst, lieber Städte besuchst oder die Natur in aller Stille genießt. Und soweit du dabei die natürlichen Grenzen beachtest, die unser Leben (und auch das etwaiger zukünftiger Könige) nun mal mitbestimmen, und zusätzlich noch ein wenig achtsam und bewusst mit deinen Möglichkeiten umgehst, bist du so frei und ungebunden wie wir Menschen nur sein können. Vor allem in Bezug auf unser Empfinden und unsere Einstellung und Haltung dem gegenüber, was uns in diesem Leben begegnet. Ob wir damit freundlich und mitfühlend umgehen, oder abweisend und griesgrämig. Ob wir uns mit anderen mitfreuen und auch ihre schmerzhaften Erfahrungen teilen wollen, oder ob wir den Rest der Welt eher als störend und unangenehm empfinden. Das steht nirgendwo geschrieben, das ist unser freier Wille, unsere Absicht und Motivation, die letztendlich bestimmen, wie wir uns und die Welt erleben.

Dir also schon heute etwas über das, was du dir erst noch erarbeiten wirst, zu „prophezeien“ wäre tatsächlich Quark. Und getretener Quark wird bekanntlich nur breit und nicht stark, aber nach einer Weile geht er eh den Gang aller Dinge, fängt an schlecht zu riechen und löst sich schließlich ganz auf. In zwanzig Jahren kräht also kein Hahn mehr danach, was heute alles über dich geschrieben wird, was die Sterne angeblich sagen, über dich, dein Leben und deine Zukunft.

Wenn Menschen dann älter werden, reduzieren sich erstaunlicherweise die freien Möglichkeiten und Optionen scheinbar immer mehr. Und machen dann tatsächlich auch Prognosen über ihr zukünftiges Verhalten möglicher. Was aber sehr viel mehr mit den Prinzipien zu tun hat, die wir Gewohnheiten oder Konzepte nennen, als mit einem ominösen kosmischen Schicksal. Dem man nicht entrinnen könnte.

Natürlich sind auch bei dir schon manche Dinge vorgegeben. Wenn man als Königskind auf die Welt kommt, ist ein bestimmter Rahmen erst mal abgesteckt. Um die öffentliche Aufmerksamkeit kommst du vermutlich nie ganz herum, im Gegensatz zu den meisten deiner 300 000 „astrologischen“ Zwillinge, die zusammen mit dir gestern geboren wurden. Willkommen also im Club der Vielen, und wahrscheinlich leuchtet es sogar schon einem Baby ein, dass diese 300 000 neuen Erdenbürger auf keinen Fall ein „gleiches Schicksal“ teilen werden, denn wer sich gestern gerade in Afrika auf seinen neuen Lebensweg gemacht hat, wird mit ganz anderen Herausforderungen zu kämpfen haben, als du. 

Andererseits könnte es selbst statistisch gesehen so sein, dass du in England das einzige Baby bist, dass genau um 16:24 BST in London geboren wurde. Und deswegen sehr wohl auch astrologische Besonderheiten hast, die nur dich betreffen. Aber um mehr darüber zu erfahren, hast du noch Zeit, bis sich im Laufe der Jahre auch bei dir bestimmte Anlagen zu Gewohnheiten ausgeformt haben, dann kannst du dir ja selbst Rat von einem „Sternzeit-Kundigen“ holen. Bis dahin mag es unser kleines, extra für dich angefertigtes, Baby-Horoskop auch tun.

Wie auch immer, wir reihen uns aus den erwähnten Gründen still in die Menge der Gratulanten ein, und wünschen dir und deinen Eltern all das, was man zum Glücklich-Werden braucht. Aber ebenso all den anderen 300 000 neuen Erdenbürgern, die gestern und auch heute wieder ein Teil dieser wundersamen Gemeinschaft Mensch geworden sind. Mit all ihren Gaben und Talenten, ihren Widersprüchen und Verrücktheiten. Wir eben, die wir einerseits fähig sind, uns wegen irgendwelcher Ideen über Gott und das Universum gegenseitig umzubringen (und manchmal reicht auch schon viel weniger als Auslöser), und uns andererseits über die Geburt eines royalen Babys gemeinsam wie globale Schneekönige freuen können. Egal wo wir herkommen und welche Probleme wir gerade selbst haben.

Denn das zumindest hast du schon geschafft, die halbe Welt in ihrer Freude über deine Geburt zu vereinen, ohne groß etwas dafür tun zu müssen. Außer eben – anzukommen. Deswegen nochmal – willkommen zuhause, Baby Cambridge - wir sind sehr gespannt darauf, was du aus all deinen Anlagen machen wirst.

Titel Loop Collage: Ed Berg http://toyconnect.blogspot.com/(Own work) [CC-BY-SA-3.0], Royal Family: Carfax2 (Own work) [CC-BY-SA-3.0], Babystation: RIA Novosti archive, image #450919/V. Yakovlev/CC-BY-SA 3.0 [CC-BY-SA-3.0], Kate + William: Carfax2 Surtsicna [CC-BY-SA-3.0], Kgroth at en.wikipedia [see page for license], Sesamstrasse: Walter Lim Singapore [CC-BY-2.0], all via Wikimedia Commons

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