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Das Thema

Marilyn: Spiegel fällt mit Spiegelung

Norma Jeane Baker: Der Mythos vom grenzenlos Machbaren.  

Astrologisch war sie eine SYLPHE. Eine derjenigen also mit so viel Luft im Geburts-Horoskop, dass einem fast alles gedanklich machbar erscheint. Aber nichts wirklich begrenzt und umsetzbar ist, in diesem Leben, was mehr als Vorstellungen braucht. Marilyn Monroe, der Mythos, war daher natürlich auch, wie alle Mythen, anders als Marilyn Monroe, der Mensch. Ihr fehlte als Frau die Erde zum Überleben, das Element, das den Körper in der Welt verwurzelt, wenn der Geist wieder einmal zu hoch fliegt. Wasser hatte sie, auch wenn sie zeitlebens ihre Seele suchte. Nur war dieses Empfinden weniger konstruktiv, sondern schmerzhaft. Der Frau fehlten die Wurzeln.

Mit beiden Lichtern, Sonne und Mond, in einem Luft-Zeichen und Luft-Haus, mit dem MC als einzigem Erd-Punkt, wollte diese Norma Jeane hoch hinaus. So weit, wie man eben kommen kann, wenn man es braucht, dass die Menschen einen lieben und will, dass Begegnung pures Leuchten ist und möglichst auch bleibt. Dass das Leben den eigenen, schnellen Gedanken vom Leben folgt, statt stur und eigensinnig zu sein wie alles, was real wird. Bei einer starken 7.Haus-Betonung wie Monroes (Mond und Jupiter) klappt es oft sogar eine Weile, das Dasein der Idee vom Dasein unterzuordnen. Nur dass im Waage-Zeichen oder Haus eben neben den vielen Angeboten des Lebens, was man sein und mit wem man sich verbinden könnte, auch der Streit, der Konflikt, die Ecken und Kanten jeder Begegnung sitzen. Wenn zwar das Publikum einen verehrt, die engsten Freunde, Geliebten oder Familie aber auch Auseinandersetzung schaffen, werden eine solche Suche und Sucht nach Spiegelung häufig übergroß. Zeige mir, wie du mich siehst und ich kann mich sehen. Beweise, dass du mich liebst und ich kann mich lieben. Die Verführung der Bilder, die auch aus dem Luft-Element stammt. Ihre letztliche Unlebbarkeit.

Wer auf Spiegelung angewiesen ist, steigt und fällt mit ihrer Qualität. Spiegelt die Welt mich gut, bin ich gut. Spiegelt sie unglücklich, werde ich unglücklich. Luft im Horoskop ist für Verzerrung vielleicht am anfälligsten. Hier wird eine gedachte Realität dem Realen am stärksten aufgesetzt. Dazu kommt, dass Marilyn Monroes vier Planeten in dieserem flirrenden Element auch Distanz brauchten. Das ewige Dilemma: Luft benötigt - angefangen beim denkerisch vom Sein getrennten Zwilling über die kopfliebende Waage bis hin zum Vogelflug des Wassermann - immer Abstand, um Bindung überhaupt auszuhalten. Nur wissen die Sylphen das leider nicht. Sie suchen die Seele, die sie dort nicht haben, wo sie schiere Idee sind, um im mythologischen Bild zu bleiben. Sie suchen das Wasser als Element. Krebs, Skorpion oder Fische. Gefühl, Bindung oder den ewigen Traum. Auch davon hatte Monroe etwas. Mars und Uranus in den Fischen, Saturn im Skorpion. Nicht gerade die beste Besetzung, um das Fühlen als konstruktiv zu erleben. Und das hat meist seinen Grund.

Wir alle wissen, wie diese Geschichte ausging. Marilyn Monroe, jene Frau, die als Norma Jeane Mortenson geboren, dann auf den Nachnamen Baker getauft wurde und der man später das "E" der Jeane stahl, starb wie Ikarus. Der Sonne, dem Selbstbedürfnis, zu nah. Als die Marilyns Aszendenten, den sie beherrscht, erreicht, findet man den Hollywood-Star tot im Bett. Pluto-Quadrat zur Sonne und Neptun-Quadrat zum AC-DC in voller Transit-Wirksamkeit. Fische-Herr entspricht der festgestellten Überdosis an Schlaf- und Beruhigungsmitteln. Skorpion-Herr dem "wahrscheinlichen Suizid". Ebenso wahrscheinlich ist es astrologisch auch, dass Monroe, die mit Charisma, Talent und Visionen vom Selbst immer alles überfliegen wollte, was irdisch war, die gleichzeitige Bindung an ihre Vergangenheit (Pluto Herr 4) und gleichzeitige Lösung jeder Bindung (Neptun Herr 8) nicht aushalten konnte. Unabhängig davon, ob die späteren Verschwörungs-Theorien, die Kennedys hätten ihre Hand im Spiel gehabt, stimmen oder nicht. Möglich, bei zulaufendem Mars-Mars-Quadrat von 11 nach 8, das aber ebenso für sehr starke Auto-Aggressionen spricht.

Marilyn Monroes Tragik war ihre Kindheit, deren Traumata sich fortsetzten, wann immer es später zu emotionalen Bewegungen kam. Ihr Mond steht im klassischen Abwehr-Quadrat der Mutter und dazu in Opposition zum Neptun in 1. Eine sehr bittere Veranlagung. Hier ist die Ambivalenz einer mütterlichen Linie gezeichnet, in der psychische Probleme wie ein Wanderpokal weitergereicht wurden. Und die strenge Pfingstler-Glaubens-Tradition mit einem unbewusst angestrebten, völlig desorientiert entgrenzten Lebensstil kollidierte. Unehelich geboren, wurde Marilyn weggegeben, wiedergeholt, weggegeben. Alle Bindungen lösten sich immer wieder auf. Waisenhaus folgte. Ebenfalls ein Klassiker von Skorpion mit Saturn in 4 und des 8. Hauses, das in den Fischen mit Mars und Uranus das Tabu der Bindung anzeigt.

Während gleichzeitig bedrohliche Erlebnisse entstehen, sobald man sich binden will. Eigentlich war diese Frau eine einzige Ambivalenz. Aber das Bild, das Klischee, die Idee von sich selbst zeigte sich lange als stärker. Herrscherin 1 Sonne auf Spitze 11 in den Zwillingen rebelliert gegen jede Form von fremder Festlegung. Sie schöpft sich neu. So wurde Marilyn, die Schauspielerin, geboren und ersetzte Marilyn, das unglückliche, allein gelassene Kind, das mit Mond-Saturn-Neptun die Schuld der Mütter bei sich selbst suchte und fand. Dieser innere Archetyp lässt sich später nur sehr schwer transformieren. Denn das tut weh. Ein Schmerz, den so viel Luft nur mit viel Achtsamkeit ertragen kann. Lieber weitergehen, eilen, die Unruhe betäuben, nicht tiefer bohren, tief war es in den Gewässern des Zuhauses (Skorpion-IC) schon genug. Fast wäre man ertrunken. Wer will das wiederholen? Und Zwillinge-Sonne mit Wassermann-Mond boten einen Ausweg. Distanz, Schnitte, sich Erheben über das Dasein, das so schwierig und schmerzhaft und zehrend anfing.

Manche gehen in die Einsamkeit, um sich zu finden. Andere, wie Marilyn Monroe, beziehen sich. Und trennen sich. Um sich wieder zu beziehen. Um sich erneut zu trennen. Alles stimmt irgendwie nicht. Wenn die Begegnungs- und Bindungs-Faktoren in einem Chart - so wie hier - mit Lösungs-Elementen gekoppelt sind, wird es hart. Jede Verbindung beinhaltet den Sog ihrer Auflösung. Weil über den Wassermann-Mond eben kein Wasser zu finden ist. Weil die Seele in der Erfahrung des plutonischen IC feststeckt. Dazu kommt die mangelnde, irdische Basis. Chiron als Schmerz-Faktor steht mit dem MC als einzige "Hilfe" in einem der stabilisierenden Zeichen der Erde.

Sicherheit tut weh. Sie ist letztlich auch, mit fast völlig leeren Erd-Häusern (Merkur tanzt auf der Grenze zu 11), weder einfach erreichbar, noch vorhanden. Das zweite (Selbstwert-) Haus steht bei ihrem Tod unter Pluto-Durchlauf. Er schaufelt alles hoch, was in der Kindheit vergraben wurde. Die traumatischen Erlebnisse eines Kindes, das sich als ohnmächtig empfand. Und auch darum zur glänzenden Leinwand für fremde Träume und Hoffnungen wurde, aus der es wiederum Selbstwert bezog. Nicht umsonst sind sowohl erdiges wie auch luftiges Venus-Zeichen Stier und Waage mit Werten konnotiert. Einmal den stofflichen, zum anderen den ideellen. Der Mythos Marilyn nützte erst mal ihr selbst als Kompensation fehlenden Eigen-Empfindens. 

Zwischen Marilyns Geburt und Ende liegen drei Ehen, die sie auch als Werkzeuge der Bestätigung benötigte. Alle drei gingen schief. Nachbarsjunge Jimmy Dougherty, den sie mit 16 Jahren heiratete, bot ihr zwar einige Sicherheit durch mehrere Erdplaneten. Aber beide waren zu jung. Baseballstar Joe DiMaggio, sonst ein Feuertyp durch und durch, setzte ihr den hypersensiblen, flüchtigen Fische-Mond auf den Mars. Das holte zuviel Ängste in Monroe hoch und die Ehe wurde nach nicht mal einem Jahr wegen "gegenseitiger seelischer" Grausamkeit geschieden. Wenn zwei emotionale ABC-Schützen sich am Punkt der gleichen Empfindlichkeit treffen, agitiert Mars den Mond. Das kann heftig werden. Mit Dramatiker Arthur Miller verband Marilyn eine gewisse Vergleichbarkeit der Anlage. Zum einen der Wassermann-Mond, den beide hatten. Sein Mond-Uranus potenzierte allerdings das Distanz-Spiel. Er saß dazu auf Spitze 5 und "gewann" mit Löwe-Mars-Neptun (vergleichbar ihrem Fische-Mars) das Dominanz-Spiel gegen ihren Löwe-AC. Ihre 7.Haus-Stellung des Mondes ordnete sich letztlich unter. Miller konnte die vermeintlich naive "Kind-Frau", in der er viel luftige Strategie, Intelligenz und Taktik witterte (was alles stimmte) so "dümmlich", wie sie sich nach Außen malte, nur schwer ertragen.

Dass Marilyn Monroe selbst eben jene Wasser-Anteile (Mars und Uranus, ausgerechnet in den Fischen im Wasser-Haus 8), die sie draußen als seelische Erfahrung der Verbindung und Verschmelzung so sehr suchte, immer wieder dem Außenbild des Glanzes unterordnen musste, forderte einen heftigen Tribut. Wie schon Großmutter und Mutter litt der so unabhängigkeits-willige, denkende, flirrende Wassermann-Mond unter den Depressionen, die ihm Neptun und Saturn aufdrückten. Aus seinem Kokon des "Ich denke mich nach fremdem Bilde" konnte sie sich letztlich nicht befreien und nahm schon während ihrer Ehen Psychopharmaka, um den Zwiespalt zwischen seelischer Dauer-Revolution und Abwehr und dem Traum vom Aufgehen im anderen zu betäuben. Jenen Graben, in den auch Pluto Herr IC, exakt auf Spitze 12, sie immer wieder trieb. Die Fänge der Verdrängung dessen, was früher war. Die Tabu-Bereiche einer Familie voller seelischer Vergewaltigung eines kleinen Mädchens, das sich nicht nur ungewollt fühlte.

Eine Aufarbeitung dessen, zwischen all der Verführbarkeit jener Schemen, die Welt im Reich der Sylphen, von viel Luft mit all ihrer wechselnden Bedeutung nun mal ist, war zu schwer zu bewältigen. Monroes Depressionen erinnerten immer wieder daran, dass sie zwar war, wer sie sein wollte, eine Idee vom Selbst. Aber ihre Seele, den Kern der frühen Erfahrung, die sich später zu emotionaler Weisheit entwickeln kann, hatte sie im schwirrenden Kosmos der Lebensklischees verloren. Dass sie hätte noch tiefer in die alte Verlorenheit tauchen müssen, verängstigte sie vermutlich zutiefst. Jene wirklich gefühlten, nicht nur bedachten Wunden neu zu betrachten, die Mars in 8 Fische als lebensbedrohlich erlebt, wenn er sie spürt. Oder die ihr - umgekehrt und schlimmer noch - außen, durch den Mars ihrer Männer, erneut zugefügt wurden.

Einer davon, John F. Kennedy, hatte Mars und vier andere Planeten ebenfalls in 8 und eine ähnliche Luft-Betonung wie Marilyn. Hier trafen sich zwei in derselben Arena der Selbst-Erschaffung, Selbst-Konzepte durch Gedanken, Fixierung der Eigenbilder. Deren Sieger aber von Anfang an feststand. Die Zwillinge-Sonne in 8 des Präsidenten konnte mit Macht immer dealen. Sein Jungfrau-Mond ließ ihn dabei körperlich Leiden (seine angeschlagene Physis ist Legende), gab ihm aber letztlich eine zwar sensible, aber irdische Stabilität. Ihr nützte das nicht. Wieder reichte sie nicht.

Sie war nicht mehr als das Knall-Bonbon auf seiner Geburtstags-Party und ansonsten schöner Schmuck wie viele andere. Und wurde lästig, als sie in all der Dramatik der 8.Haus-Problematik, die ihm entsprach, zu fühlen begann. Man entledigte sich ihrer, ja sie wurde sogar an Bobby, den Bruder, weitergereicht. Was für eine Demütigung für eine Frau, die wichtig sein will und sich nicht wichtig fühlen kann. Die nur in der Larve des Stars ihre Bedeutung erlebte.

Letztlich ist Marilyn Monroe vermutlich an ihrer Unfähigkeit gestorben, die Wirklichkeit mit einer gedachten Wahrheit zusammenzubringen. In einem Moment, als die Sonne, ursprünglich aus 11, auf dem AC sagte: Ich bin Distanz. Als Pluto aus 2 im Quadrat zur Sonne das Gefühl hochtauchte: Ich bin ohnmächtig im Unwert. Als Neptun  durch 4 ins Quadrat zum Aszendenten lief und schwebende, ungreifbare Erinnerungen an zeitloses Leiden der Kindheit mit der Botschaft verband: Ich darf nicht sein. Der endgültige Abstand vom Ich im Löwen war das Ergebnis. Und der Wind ergriff die Tänzerin und sie flog fort von dem Planeten, der Menschen ohne Erde so schmerzlich bindet. Fort von sich selbst. Und den Bildern, die sie von sich erschaffen hatte und die ihre Ganzheit nicht auffangen konnten.

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