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Astro-Labor

Astro-Logics III: Venusjahre

Wenn wir über das Phänomen Zeit sprechen, entsteht leicht der Eindruck, dass wir es mit etwas Unfassbarem zu tun hätten. Nimmt man aber nur die einfachsten Parameter, die unser Zeitverständnis begründen, wird schnell deutlich, dass die Bewegungen der Planeten maßgeblich für unser Zeitempfinden verantwortlich sind.

Denn jedes Zeitgefüge hat zumindest zwei grundlegende Parameter. Der Erste wird bedingt durch die Eigenrotation des jeweiligen Heimat-Planeten um seinen eigenen Schwerpunkt. Daraus ergibt sich der Rhythmus von Tag und Nacht. Zum anderen ist das die Umlaufzeit des Planeten um sein Zentralgestirn, die Sonne.

Auf der Erde haben wir deshalb ein Zeitmaß entwickelt, das uns allen geläufig ist. Ein ganzer Tag bezeichnet die vollständige Drehung der Erde um ihren eigenen Schwerpunkt. Zudem ist er in eine Tages- und eine Nachthälfte aufgeteilt. Jede dieser Hälften hat zwölf Unterteilungen = Stunden, die zusammen eine Anzahl von 24 Stunden ergeben.

Genau genommen ist das aber nur eine Annäherung. Denn die Erde braucht nur 23 h 56 m 04 s um solch eine Drehung zu vervollständigen, gemessen am Himmelshintergund (der sich in dieser Zeitspanne kaum bewegt). Unser normales Zeitmaß orientiert sich aber an der Sonne. Da diese aber jeden Tag von uns aus gesehen um ca. 1° weiter wandert, dauert ein gesamtes Jahr 365,265 Tage.  Deshalb ergeben sich im Laufe der Zeit Unregelmäßigkeiten in unseren Kalenderberechnungen und jedes 4. Jahr fügen wir einen ganzen Tag in unserer Zeitrechnung hinzu, um das wieder auszugleichen. Bezogen auf die siderische Erdrotation dauert ein Jahr aber  366,256 Tage, ein ganzen Tag länger als wir üblicherweise rechnen.

Innerhalb dieser Zeitspanne, einem Jahr, erleben wir dann all die klimatischen Veränderungen (je nach Standort), die wir in den Abschnitten der Jahreszeiten zusammen fassen.
Diese beiden Zeiteinheiten, der Tag und das Jahr sind die wichtigsten Zeitmarker. Sämtliche Kalender- und Zeitmessungen auf unserem Planeten orientieren sich an diesen beiden Größen und sie bestimmen zum großen Teil die Abläufe in unserem Leben.

Das Verhältnis zwischen Tag und Jahr spielt in unserem Zeitempfinden ebenfalls eine sehr große Rolle. Natürlicherweise gehen wir davon aus, dass diese Erdzeit ein universeller Maßstab wäre. Aber selbst auf die wenigen, anderen Planeten in unserem Sonnensystem bezogen, lässt sich schnell aufzeigen, dass dem nicht so ist.

 

Merkur

Würden wir auf Merkur leben, hätten Tag und Jahr eine ganz andere Dimension. Ein Merkur-Tag dauert 58 Tage, 15 Stunden und 36 Minuten unserer Zeit. Ein Merkur-Jahr vergeht dagegen sehr schnell, in nur 87,9 Tagen umkreist Merkur die Sonne. Das Verhältnis zwischen Jahr und Tag ist demnach 1 zu 1,52, in ca. 1 ½ Tagen ist das Jahr auf Merkur bereits vorbei. Theoretisch zumindest.

In der Praxis ist es hingegen so, dass ein Merkur-Sonnen-Tag genau zwei Merkur-Jahre dauert. Der Zeitraum an dem die Sonne an einem beliebigen Merkurort also genau an derselben Stelle wieder aufgeht umfasst 175,9 Tage.
Anders ausgedrückt – Merkurwesen würden innerhalb eines Tages zwei komplette Jahre mitsamt der Veränderung der Jahreszeiten erleben. Der Tag hätte also eine komplett andere Bedeutung, wäre zeitlich stabiler und langfristiger, während das Jahr die flüchtigere Komponente wäre.

Venus

Die Verhältnisse auf der Venus sind ähnlich verrückt wie auf Merkur. Ein Venus-Umlauf um die Sonne dauert 224,7 (Erden-) Tage. Ihre Eigenrotation beträgt aber 243 Tage und 27 Minuten. Ein Sonnentag wiederum dauert aber „nur“  116,7 Erdentage, ist also deutlich kürzer als auf Merkur. Auf Venus vergehen so  knapp 2 Tage, bevor ein Jahr vorüber ist.
Aber auch etwas anderes würde unseren Orientierungsinn durcheinander bringen. Auf Venus geht die Sonne im Westen auf und im Osten unter. Sie dreht sich also im Vergleich mit den meisten anderen Planeten „rückwärts“.

Um es etwas drastischer auszudrücken – würden wir als Menschen mit unserem erdbezogenen Zeitmaß  auf der Venus leben und gegen Mitternacht geboren werden, würden wir schon vor Sonnenuntergang desselben Tages wieder gestorben sein. Unser Leben würde nicht einmal einen Tag dauern. Auf Merkur wäre unser Leben schon kurz vor Mittag zu Ende.
Andererseits, wäre Zeit auch hier ein relatives Phänomen und auch auf Venus gäbe es eine natürliche Lebenspanne von ca. 84 Venus-Jahren (also 365 Venus-Tage ergeben ein Venus-Jahr), dann würde das nach irdischen Maßstäben bedeuten, dass wir das biblische Alter von fast  10 000 Erdenjahren erreichen würden.

Das klingt alles ein bisschen verrückt und chaotisch und ist es auch. Eine Gedankenspielerei, die nur aufzeigen soll, dass Zeit und Zeitsinn immer unmittelbar an den Himmelskörper gekoppelt ist, mit dem unser Biosystem verbunden ist. Zeit ist wirklich relativ und die Vorstellung, dass im gesamten Universum derselbe Zeit-Maßstab gelten würde, ist falsch. Damit ändern sich gleichzeitig aber auch viele andere Parameter, die wir als Grundlage unserer Lebens-Orientierung brauchen.

Mars

Auf Mars finden wir, verglichen mit den Zeitverhältnissen auf der Erde, die größten Gemeinsamkeiten. Ein Mars-Tag dauert ca. 24 Stunden und 40 Minuten (Erdzeit). Die Tag- und Nachtphasen würden also kaum einen interplanetaren Jet-Lag verursachen. Das Jahr ist mit 687 (Erd-)Tagen aber fast doppelt so lang wie bei uns. Würden wir mit einer normalen Lebensspanne auf dem Mars wohnen, würden wir statt ca. 80 Jahren dann nur knapp 40 Jahre erleben. Auch wären die Jahreszeiten unterschiedlich lang. Frühling und Sommer kann man auf Mars am längsten genießen (ca. 199 und 181 Tage), der Herbst vergeht sehr schnell (145 Tage) und der Winter ist auch relativ kurz (160 Tage).
Trotzdem wäre hier unser Zeitgefüge wohl am ehesten anpassbar, weswegen neben seinen anderen Voraussetzungen, der Mars auch als einzig besiedelbarer Planet in unserem Sonnensystem in Frage kommt.

Jupiter und Saturn

Jupiter, der Königsstern fällt nun völlig aus dem bisherigen Rahmen. Er hat zwar 2,5-mal so viel Masse wie alle anderen Planeten des Sonnensystems, rotiert aber mit einer Geschwindigkeit von 9 h 55 m 30 s am schnellsten von allen um die eigene Achse. Ein Jupiter-Jahr dauert dagegen 11 Jahre, 315 Tage und 3 Stunden. Es vergehen also knapp 9711 Jupiter-Tage bevor ein Jahr vorüber ist. Nach unseren Zeitmaßstäben würde ein menschliches Leben gerade mal drei Jupiter-Jahre dauern. Würde jedoch ein „Jupiterwesen“ 84 Jupiter-Jahre alt werden, dann entspräche das ungefähr 2234 menschlicher Lebensjahre. Oder mal astrologisch betrachtet: die Sonne würde in einem 12-phasigem Tierkreis auf Jupiter jeweils knapp 809 Jupiter-Tage für einen Zeichendurchlauf benötigen.


Bei Saturn finden wir dasselbe Phänomen noch etwas ausgeprägter. Ein Saturn-Tag dauert in Äquatornähe 10 h 39 m 22 s, also etwas länger als auf Jupiter. Für einen Sonnenumlauf benötigt Saturn aber 29 Jahre und 166 Tage. Ein Saturn-Jahr dauert also 23 559 Saturn Tage, erst dann ist man auf Saturn ein Jahr älter geworden. Gemessen an einer menschlichen Lebensspanne von ca. 84 Jahren, wäre man auf Saturn schon über 5400 Erd-Zeit-Jahre alt geworden, hätte man ähnlich lange gelebt.

Mit E.T. telefonieren?

Natürlich ist das alles irgendwie auch „Äpfel mit Birnen“ vergleichen, aber vielleicht zeigt es ein wenig auf, wie sehr unser Zeiterleben und –empfinden von den planetaren Grundbedingungen abhängig ist. Neben allen anderen Voraussetzungen die Forscher heute als Bedingung für Leben auf anderen Planeten vermuten, bleibt dann eben auch die Frage, ob Leben auf anderen Planeten und in anderen Sternensystemen mit unserem auch zeitkompatibel wäre. Das mag auf den ersten Blick etwas weit hergeholt erscheinen, aber wie begegnet man Wesen, die in ihrem Zeiterleben über 5000 Jahre alt sind? Und in wieweit können wir uns überhaupt mit ihnen verständigen? Wenn wir zwar denselben Raum teilen, aber vielleicht nicht dieselbe Zeit?

Die Loop! Serie „Astro-Logics“ richtet sich vor allem an Menschen, die sich dem Thema Astrologie auf eine neue Art und Weise nähern wollen. Aus diesem Grund werden darin unter anderem astrologische Basics erklärt, die vielen Lesern höchstwahrscheinlich schon geläufig sind. Dabei geht es aber weniger um die Wiederholung von Erklärungen, die man in jedem Standardwerk über Astrologie nachlesen kann, sondern um neue Perspektiven, Herangehensweisen und Denkanstöße.

Hier gehts zu den anderen Teilen von Astro-Logics:

Astro-Logics: Zeit und Raum 
Astro-Logics II: Was ist Zeit?
 
Astro-Logics IV: Es leuchtet

Astro-Logics V: Woher kommt die Zeit?
Astro-Logics VI: Bilderwelten
Astro-Logics VII: Panta rhei
Astro-Logics VIII: Das scharfe Schwert
Astro-Logics IX: Der Kreis und das Ganze
Astro-Logics X: Zeitströme (1)

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Montag, 20. August 2018

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