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Transite - Farben der Zeit (3)

Forschungen des amerikanischen Neurologen David Eagleman weisen darauf hin, dass unser Gehirn Zeit nicht einfach nur passiv registriert, sondern je nach Umständen und Erfordernissen aktiv konstruiert. Wenn wir den Terminus Gehirn mit dem buddhistischen Begriff „Geist“ oder „Mind“ ersetzen, landen wir dort, wo astrologisches Hintergrundwissen hilfreich wird. Geist umfasst in diesem Zusammenhang aber wesentlich mehr als unser bewusstes Denken und Fühlen. Geist oder Mind steht hier für das umfassende Erleben aller Wahrnehmungen, ob scheinbar innerlich oder auf äußere Erscheinungen bezogen. Geist ist in diesem Sinne auch der Schöpfergeist - das was Welt und Erfahrung erschafft.

Neben dem Prinzip der allgemeinen Raum-Zeit scheint es demnach auch ein selbsterschaffenes Universum innerhalb unserer Eigen-Zeit zu geben. Dass sich zwar mit den Gesetzmässigkeiten der allgemeinen Raum-Zeit verbindet, aber daraus etwas sehr individuelles und subjektives erschafft.
Dieses subjektive Empfinden von Zeit kennen wir alle  – in bestimmten Momenten unseres Lebens scheint Zeit plötzlich sehr langsam zu vergehen, dehnt sich also quasi. In anderen vergeht sie wie im Fluge, Minuten und Stunden rauschen einfach vorbei.
Ähnliches findet sich auch in größeren Zusammenhängen. Die meisten Menschen werden bestätigen, dass mit fortschreitendem Alter der Eindruck entsteht, dass Zeit insgesamt schneller vergeht. Als Kind umfasste ein zeitliches Jahr eine kleine Ewigkeit, im reifen Alter von 70 oder 80 Jahren fliegen dieselben  Jahreszeiträume  immer schneller vorbei.
Auch das kann man als eine Bestätigung für die Nicht-Existenz von absoluter Zeit, die immer gleichförmig vor sich hinfliesst, begreifen. Denn für zwei Personen, Opa und Enkelin zum Beispiel, wird derselbe Moment, in dem sie sich einander zuwenden, äußerst unterschiedlich schnell oder langsam vergehen. Aber das ist nur die Spitze des Eisbergs.

Wir alle kennen das Phänomen von Stress. Etwas muss dringend getan werden, es bleibt nur wenig Zeit. Der innere Druck steigt, obwohl die äußeren Umstände sich kaum oder nicht verändern. Gleichzeitig mit diesem Druck entstehen Gefühle, Gedanken, Bilder. In immer schnellerer Abfolge. Bis das Ganze vielleicht urplötzlich gestoppt wird. Weil wir beim Hinunterrasen auf der Treppe ausgeglitten sind. Und noch im Fall eine Verlangsamung unseres Zeitempfindens bemerken. Zeit unter der inneren Lupe wird wieder gedehnt und vergrößert. Und obwohl der Sturz selbst letztendlich unangenehm bis schmerzhaft sein mag, ist der Moment des Zeiteinbruchs meistens ein äußerst angenehmer.

Zeit selbst bzw. unser subjektives Erleben davon, scheint immer auch mit Empfindungen von angenehm oder unangenehm verbunden zu sein. Es ist also nicht nur eine Frage der Geschwindigkeit, wie schnell unsere Eigenzeit vergeht, sondern immer auch eine Frage davon, was uns quasi im Schlepptau dieser Eigenzeit an inneren Erfahrungen zuteil wird.

All das findet sich im astrologischen Modell wieder.

Die Qualität der „aktuellen“ Raum-Zeit zeigt sich über den aktuellen Stand der Planeten und anderer relevanten Faktoren. Die Grundqualität unserer Eigen-Zeit findet sich in unserem Geburtsbild. Der Vergleich beider zeigt einfach und bildhaft auf, wie sich Eigen- und Raum-Zeit miteinander verbinden.

Das ist das Prinzip der Transite.

Erleben wir dieses Miteinander als Spannung, dann vergeht Zeit schneller, der Druck steigt mitsamt allen Nebenwirkungen. Erleben wir es als Entspannung, dehnt sich Zeit, haben wir mehr Raum, keinen Druck und auch dies mit allen Folgewirkungen.

Die Prägung der Eigenzeit

Als Ausgangspunkt dieser Prägung gilt in der Astrologie der Zeitpunkt unserer Geburt. Genauer gesagt – der Zeitpunkt unseres ersten, eigenständigen Atemzugs. Warum?

Die Symbiose mit unserer Mutter hat hier ein Ende gefunden, ab jetzt sind wir auf uns selbst gestellt. Unser Leben hat mit unserem ersten Atemzug begonnen, und es wird mit unserem letzten enden. Dieser erste Augenblick ist prägend für uns als Individuum. Wir atmen quasi die Qualität dieses Augenblicks, die Formationen und Schwingungen der Raum-Zeit ein. Dieser Eindruck bleibt bestimmend und erzeugt ein erstes Bild von Welt und Leben. Er ist in dieser Phase noch sehr undifferenziert, Unterscheidung, Bewertung und Zuordnung findet kaum oder gar nicht statt. Aber der Geschmack, die Farben, die Formen, die Klänge, die Eigenschwingung dieses Augenblicks sind die ersten Bilder und Erfahrungen, die in Zukunft Richtung und Entwicklung unserer individuellen Existenz bestimmen werden. Es ist der Beginn unserer Lebensreise.

Astrologie zeichnet dieses Bild auf, eine Momentaufnahme des kosmischen Raum-Zeit-Gefüges. Zugegeben etwas grob und vereinfacht. Aber immerhin entsteht dadurch ein relevanter Bezugspunkt. Und dieser wird uns ein Leben lang symbolisch begleiten.

Wandel und Zyklus

Allerdings ist auch dieser Moment kein statischer. Auf unserem inneren Film, unserer geistigen Festplatte ist dieser Eindruck zwar unauslöschlich festgehalten, aber schon im nächsten Augenblick findet wieder Veränderung statt. Diese Veränderung wird automatisch abgeglichen mit unserem Grundeindruck, immer noch weitestgehend ohne Bewertung. Es gibt also kein Gut oder Schlecht, aber – Zeit kann sich auch schon in diesem frühen Stadium dehnen oder strecken. Mitsamt den schon erwähnten Folgeerscheinungen.

Trotzdem ist diese Veränderung immer neu. Immer aufregend, unbekannt. Solange bis sich etwas wiederholt. Bis ein erster Zyklus abgeschlossen ist. Astrologisch gesehen wäre das der Moment, wenn im Osten wieder derselbe Tierkreisgrad aufgeht, wie zum Zeitpunkt unserer Geburt. Sich unser Aszendent quasi zum ersten Mal wieder neu zeigt.

Oder anders ausgedrückt – die Erde eine komplette Umdrehung vollzogen hat. Ein erster Grund-Zyklus ist installiert. Alles was in diesem 24 Stunden an Veränderungen in der Raum-Zeit stattfindet, ist quasi Teil dieses Zyklus. Der Aszendent bezieht als statischer Punkt seine Bedeutung nur daraus, dass er den Anfang und Abschluss dieses Zyklus kennzeichnet. Nicht mehr und nicht weniger.

Was auf den ersten Blick wie Wortklauberei erscheinen mag, zeigt bei näherer Betrachtung aber ein völlig neues Verständnis von astrologischer Bedeutung auf. Denn alles was in diesem ersten 24h am Himmel passiert, ist Teil dieses Zyklus. Der Mond durchläuft in der Regel eine Spanne von 12°, innerhalb derer er vielleicht auch exakte Aspektfiguren zu anderen Planeten zeichnet. Alle Planeten durchlaufen sämtliche Häuser, stehen also nicht nur in einem einzigen Haus, sondern haben einen kompletten Zyklus durchlaufen. Die Deutung eines Geburtsbildes wird also sehr viel dynamischer, schafft sehr viel mehr neue Perspektiven und Deutungsmöglichkeiten.

Aber das ist natürlich nur der Anfang.
Denn gleichzeitig sind auch andere Zyklen unterwegs zu ihrem ersten kompletten Durchlauf. Der Mond wird nach ca. 29 Tagen ebenfalls wieder an derselben Stelle stehen und in der Zwischenzeit haben sich noch mehr Dinge verändert. Die Sonne hat meistens das Zeichen gewechselt, manchmal auch schon andere Planeten. Komplexe Aspektfiguren sind entstanden usw.

Dies alles ist also in unserem zweiten fundamentalen Zyklus, dem Mond-Zyklus entstanden. Und somit auch in seiner Dynamik zu uns zugehörig. Nach einem Jahr steht dann die Sonne wieder an demselben Ort innerhalb der Raum-Zeit, wie zum Zeitpunkt unserer Geburt, unserer Alpha-Prägung. Und auch hier können und dürfen wir die komplette Zeitspanne mit in unsere Deutungen und Interpretationen mit einbeziehen, zumindest als zusätzliche Ergänzung zu den statischen Bildern von Radix, Solar und Lunar.

Eine mögliche Erklärung, wie sich all das auf uns auswirkt, könnte so aussehen:

Sobald einer dieser Zyklen abgeschlossen ist, rastet in uns ein entsprechendes Muster ein. Dieses Muster wird in Zukunft ständig  (unbewusst) mit den aktuellen Veränderungen folgender Zyklen abgeglichen und auf dieser Basis entstehen Vorlieben und Abneigungen. Und damit gleichzeitig Richtung und Ausrichtung unseres Lebens.
Aus der Weschelwirkung zwischen den inneren Zyklen und den aktuellen Veränderungen der Raum-Zeit ergibt sich dann dieses komplexe und faszinierende Spiel von Wahrnehmung und Selbstempfindung. An deren vorläufigem Ende, dann wenn alle fundamentalen Zyklen zumindest einmal durchlaufen wurden (Mond bis Saturn), die Krönung unseres Ichs steht. Die Erschaffung unseres Selbstbilds. Alles was uns vertraut ist, was unserer zyklischen Prägung entspricht, gehört zu uns, ist ICH, alles andere ist die Welt außerhalb, das Du in all seinen Ausprägungen.

In diesem Sinne erbauen wir ein Abbild unserer energetischen Erfahrungen nach und halten an diesem fest. Und unser späterer Lebenskampf besteht zum größten Teil darin, unsere prägenden Zyklen aufrecht zu erhalten, sie unter allen Umständen gegen Fremdeinflüsse (=Desorientierung, Verunsicherung etc.) zu verteidigen.

Nicht etwa, weil diese Einflüsse zwangsweise objektiv schlecht für uns wären, sondern einfach, weil sie unsere innere Orientierung, unser inneres Raum-Zeit-Gefüge durch ihr Anderssein in Frage stellen. Alle Probleme, mit uns und der Welt, die wir im Laufe eines Lebens haben oder nicht haben, entspringen letztendlich dann diesem Mechanismus.

Sinnvolle Transitarbeit

Astrologie bietet die wunderbare Möglichkeit, diese längst vergessenen Prägungen wieder ins Gedächtnis zu holen und sich darüber bewusst zu werden. So können neue Wege gefunden werden, um diese Konzepte, dort wo sie sinnlos und destruktiv geworden sind, vielleicht anzupassen, wenn nicht gar aufzulösen. Veränderung und Wandel werden dann zur  Chance für neue Erfahrungen, und aus dem Kampf ums scheinbare Überleben unseres Ichs wird ein bewegter und bewegender Tanz. Auch dabei bleiben wir immer Ausdruck dieser ursprünglichen, individuellen Qualität, und es gibt auch keinen Grund diese aufzugeben. Wir sind ein Teil des großen Puzzle, und genau über unsere Eigenheit geben wir anderen die Chance vielfältiger und offener zu werden. Wie auch sie uns diese Möglichkeit eröffnen.

Nur dieser Kampf hört auf, gegen das Andere, das scheinbar Fremde, gegen die projiezierte Welt als Ausdruck dessen, was ich nicht als zu mir zugehörig empfinde. All das mitsamt den unerfreulichen Nebenwirklungen löst sich auf und schafft Raum für das Eigentliche, das was wir alle teilen.

Denn all diese Planeten und Zeichen sind nur symbolischer Ausdruck von dem was uns verbindet. Nicht trennt. Und ja, Astrologie ist auch nur ein Modell, eine Möglichkeit diesen Wahrheiten zu begegnen. Am Ende dieses Weges steht die Erfahrung selbst, jenseits von Sonne, Jupiter und Saturn, jenseits von Waage, Skorpion und Fische.
Aber bis dahin werden sie zu weisen Begleitern auf einer Reise, die zwar ins Unbekannte führen muss, jenseits von Begriffen und Erklärungen, aber trotzdem genau dorthin, wo wir alle zuhause sind. Immer waren und immer sein werden.

Die Arbeit mit unseren Transiten, mit den aktuellen Auslösungen, kann auf diesem Weg eine wunderbare Unterstützung werden. Wer Astrologie so versteht und nutzt, für den besteht auch niemals die Gefahr, sich in den zahllosen Schubladen und Begrifflichkeiten zu verlieren. All die Bedeutungszuschreibungen sind dann nur Teil eines größeren Fahrplans, dienen einer vorübergehenden Orientierung, um mit sich und allen anderen einen guten und gemeinsamen Lebensweg zu finden.

Ob wir dies dann auf der Basis eines anderen Weltbildes tun, wir uns als Christen, Buddhisten, Muslims, Hinduisten oder Atheisten empfinden, als nüchterne Entdecker und emphatiebegabte soziale Wesen, bleibt uns selbst überlassen. Aber die Beschäftigung mit der alten Mutter Astrologie wird uns immer daran errinnern, das jede Form und jeder Klang, jeder Duft und jede Farbe, jedes innere und äußere Bild, alle Gedanken und Empfindungen einen gemeinsamen Ursprung haben.

Sie sind aus Sternenstaub geboren, genau wie wir.

Titelbild: By ESO (ESO website) [CC BY 4.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/4.0)], via Wikimedia Commons

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Montag, 25. Mai 2020

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